Witterungsrückblick Januar 2017

Endlich wieder einmal ein richtiger Wintermonat

von Rüdiger Manig, Wetterstation Neuhaus/Rwg.

Endlich wieder einmal ein richtiger Wintermonat

Das neue Jahr begann mit strahlend blauem Himmel und viel Sonnenschein, der Neujahrstag somit der Wegweiser für einen fabelhaften Wintermonat. Lange genug mussten wir darauf warten, der Februar und März 2013 waren die letzten dieser Art. Und so einen winterlichen Januar – den gab es zuletzt vor sieben Jahren.

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26 Fotos (Rüdiger Manig )

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Zu verdanken haben diesen schönen Jahresauftakt zwei Tiefdruckgebieten und vier Hochdruckgebieten – mehr oder weniger. Was natürlich zu Jahresbeginn fehlte war der Schnee, im Dezember gab es dahingehend ja eine wahre klimatologische Talsohle.
Sturmtief Axel brachte die erste Ladung der weißen Pracht, 22 Zentimeter Neuschnee, begleitet von Böen bis zur Windstärke 8.
Endlich wieder Langlauf möglich, und eigentlich durchweg bis zum Monatsende.
Am 5.Januar die mittlere Schneehöhe 27 cm, allerdings gab es durch starke Verwehungen stellenweise noch die Gefahr, auf herausragende Steine zu fahren.
Kurzes Durchatmen nach diesem ersten Schneesturm. Rückseitig des abziehenden Tiefs wurde auf direktem Wege arktische Kaltluft zu uns transportiert, der 6. Januar wurde der kälteste Tag des Monats.
Die Temperatur stieg im Tagesverlauf nicht über minus 10°C, Minimum minus 14,6°C. In den tieferen Lagen natürlich bedeutend kälter, deutlich unter der minus 20°C die Minima.
Das erste Hoch, Angelika, hatte vom 5. bis zum 11. Januar die Regie übernommen. Allerdings eine eher trübe Angelegenheit, nur am 6. Januar gab es ein paar Stunden Sonnenschein.
Diese reichten immerhin aus um wieder einmal zauberhafte Eisnebelhalos in die Landschaft zu zaubern. Es war die Ruhe vor dem Sturm. Die Ruhe vor Egon.
Dazu war es „Freitag der Dreizehnte“. Vom fachlichen Standpunkt her das Highlight des Monats. Und was mich besonders beeindruckt hat – die fast auf die Stunde genaue Vorhersage der stärksten Böen für unsere Region.
Mich erwischte es zwischen 5 und halb 6 auf dem Weg zum Ernstthaler Bahnhof, Sicht zeitweise keine 10 Meter. Da der Niederschlag aus einer Mischung aus Schnee und kleinen Graupelkörner bestand gab es ein klasse Peeling für`s Gesicht.
Die Spitzenböe lag hier oben auf dem Bornhügel bei 104 Kilometer pro Stunde, Windstärke 11. Da unsere Wetterstation aber relativ geschützt liegt kann man davon ausgehen, dass in freien Lagen die volle Orkanstärke locker erreicht wurde.
Bis zum Abend summierte sich die Neuschneemenge auf 28 cm, die Gesamtschneehöhe 54 cm, Egon hatte die entscheidende Ladung gebracht. Zusätzlich gab es noch etwas Besonderes bei dem als Schnellläufer bezeichneten Orkantief.
Wie sonst bei den meisten anderen Tiefs üblich holt die Kaltfront die Warmfront irgendwann ein.
Dies geschah bei dem Durchzug von Egon nicht, die Warmfront wickelte sich regelrecht um den Tiefkern.
Und zwischen Warm- und Kaltfront gab es in diesem Fall einen sogenannten Sting-Jet, die Zone der stärksten Böen, welche ebenfalls unsere Region exakt traf.
Die Bezeichnung „Sting“ aus dem Englischen übernommen = Stachel. Bis zum 16. Januar erhöhte sich die Schneehöhe peu a` peu auf 60 cm, ein ausreichendes Polster für den Rest des Monats.
Dieser war dann zu großen Teilen von Hochdruckeinfluss geprägt - und viel, viel Sonnenschein.
Vierzehn Tage Traumwinter, Brigitta, Christa und Doris hießen die verantwortlichen Hochs. 71 Stunden Sonnenschein vom 18. bis zum 29. Januar, was wünscht man sich mehr. Am 20. Januar stieg die Temperatur wieder einmal über die 0°C-Marke, um drei Zehntel.
Und es gab an diesem Tag wieder einmal eine geniale Fernsicht Richtung Norden, auf dem Brocken, Entfernung 140km, waren mit bloßem Auge die Gebäude zu sehen.
Seltenheitswert das Wochenende 21./22.Januar, ein Wochenende völlig frei von jedem Wölkchen.
Nach „Freitag dem Dreizehnten“ wurde Freitag der 27. der schönste Tag des Monats. Bei 8,3 Stunden Sonnenschein, mehr geht nicht, stieg die Temperatur von minus 6,9°C auf beachtliche plus 7,2°C, das Maximum im Januar.
Mit zwei trüben Nebeltagen, gefrierendem Sprühregen, aber auch etwas Neuschnee klang der Januar aus. Trotzdem – den Eindruck eines wunderbaren Wintermonats konnte diese beiden Tage einem doch nicht nehmen. Denn schon in diesem einen Monat gab es mehr Tage um mit den Langläufern unterwegs zu sein als in den Winter 2015/16, 2013/14 oder 2006/07.

Die Mitteltemperatur des Januar betrug minus 5,0°C, gegenüber dem klimatologischen Mittelwert somit ein Minus von 1,3°C. Seit 1940 gab es nur 16 Januare, an denen es kälter war. Ansehnliche 85,6 Stunden Sonnenschein bedeuten ein Plus von 85 Prozent.
Strahlender nur der Januar 2006, 113 Stunden Sonne mit etwas mehr Schnee.
Die Niederschlagsmenge 79 Liter pro Quadratmeter, und fast ausschließlich nur als Schnee, Graupel oder Schneegriesel. Und da der Erdboden bis zum heutigen Tage noch bis in eine Tiefe von 20 cm gefroren ist heißt das, dass die gesamte Niederschlagsmenge noch in der Schneedecke gespeichert ist.

Die restlichen Klimawerte, in Klammern die langjährigen Mittelwerte:
Frosttage 31 (27), Eistage 22 (17), relative Luftfeuchte 86% (93), Bedeckungsgrad 68% (83), nur 16 Tage mit Nebel oder Nebeltreiben (26), Tage mit Böen der Windstärke sechs 10 (18), Tage mit Böen der Windstärke acht 3 (6). 
Das bisherige Minima bei den Nebeltagen gab es 2006: 21 Tage, bei einem Bedeckungsgrad von nur 64%.