Witterungsrückblick Dezember 2016

Deko-Schnee und Sonnenschein

von Rüdiger Manig, Wetterstation Neuhaus/Rwg.

Deko-Schnee und Sonnenschein

Der erste Wintermonat war wieder einmal einer von der ganz leisen Art. Viel über „richtiges“ Wetter zu berichten gibt es eigentlich nicht. Weite Teile des Monats waren von Hochdruckeinfluss geprägt, was sich deutlich im Monatsmittel des Luftdrucks ausdrückt.

BILDERSCHAU

24 Fotos (Rüdiger Manig )

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Noch nie hatten wir im Dezember ein so hohes Luftdruckmittel, und es gab nur einen Monat – Januar 1989 – wo dieses noch etwas höher lag.

Wie bei Hochdrucklagen im Winter nicht unüblich sitzen oft die Kammlagen auf der Sonnenbank. Die Tallagen mehr oder weniger, je nach Windrichtung, im Nebel. Und natürlich stiefmütterlich in der Kälte.
Meistens, jedoch nicht immer. Wenn schon kein toller Wintermonat dann wenigstens ein farbenfroher.
Über den ganzen Monat verteilt fantastische Sonnenauf- und -untergänge, faszinierende Wolkenformationen, Wolkenmeere, Luftspiegelungen an Bergen und sogar über dem Wolkenmeer selbst.
Dazu geniale Fernsichten, oft war der Brocken zu sehen, zum Jahresende ganz klar mit bloßen Auge die dünne Schneedecke auf dem Gipfelplateau. 

Was natürlich fehlte – der Schnee. Rein statistisch zwar an 22 Tagen eine Schneedecke, allerdings von einer Decke in dem Sinne konnte eigentlich nie die Rede sein.
Meist ein Hauch, immerhin war es wenigstens weiß, aufgehübscht durch nächtlichen Reif. Man ist schon sehr bescheiden geworden, schon dieser Hauch von „Deko“schnee war gut für das Gemüt.
Nur im Dezember 1987 war noch weniger Schnee gefallen, ganze drei Zentimeter.
In diesem Jahr fünf Zentimeter, maximale Höhe zwei Zentimeter zum Jahresende. Was natürlich nicht fehlen konnte – das Weihnachtstauwetter.
Was dann eben noch die spärliche „Deko“ beseitigte. Der traurigste Witterungsabschnitt begann pünktlich zu Heiligabend. Fünf Tage ohne Sonnenstrahl, die Hälfte der Niederschlagssumme, Temperaturen bis zu 4°C, Heiligabend und am ersten Feiertag Sturmböen.
Und an diesem Feiertag noch auf vielen Nebenstraßen und Wegen eine Glatteisdecke wie aus dem Lehrbuch, mit einem Wasserfilm, schlimmer geht es nicht. 
Es war andererseits ein sehr niederschlagsarmer Dezember.
Nur knapp 38 Liter pro Quadratmeter, seit 1940 gab es nur 6 Jahre in denen im letzten Monat des Jahres weniger Niederschlag fiel.
Außergewöhnlich die verhältnismäßig ausgiebige Sonnenscheindauer, 90 Stunden im Monat, das doppelte gegenüber dem klimatologischen Mittelwert.
Bereits nach 10 Tagen war dieser Wert erreicht, Hoch UWE sei Dank. In diesem Zeitraum die tiefsten und höchsten Temperaturen im Dezember.

Am Nikolaustag minus 7,8°C hier in Neuhaus, minus 10,8°C in Ernstthal, minus 13,2°C in Steinach am Vogelsberg. 
Monatsmaximum nur zwei Tage später, 7,1°C in maritimer Subtropikluft. Insgesamt jedoch keinerlei Ausreißer bei den Temperaturen wie zuletzt in der letzten Novemberdekade. Durchschnittstemperatur des letzten Monats im Jahresverlauf minus 0,5°C. Immerhin 4°C kälter als der Dezember 2015, nichtsdestoweniger plus 2,3°C gegenüber der Mitteltemperatur der Jahre 1961-90.
Seit 1940 gab es gerade einmal 
11 Jahre, in denen der Dezember noch milder war.
Wenn schon die Weihnachstage ins Grau gefallen waren, es wurde ausgleichend ein goldener Jahresabschluss hier oben.
Maximale Sonnenscheindauer an den beiden letzten Tagen (einschließlich Neujahr), Fernsicht weit über 140 km, die Luftfeuchte sank fast über 24 Stunden unter die 20% Marke, Tiefstwert 8% ! Das bisherige registrierte Minimum hier auf dem Bornhügel liegt bei 6%.
Und diese extrem klare Luft bescherte mir am Morgen des 30.Dezember ein atmosphärisches Phänomen, auf welches ich schon 30 Jahre gehofft und gewartet hatte. Sucht man dieses Phänomen im Internet sollte man „Grüner Strahl“ eingeben. Dieser ist zwar ebenfalls sehr selten und ich habe diesen ebenfalls noch nie fotografieren können.
Einmal gesehen, aber in diesem Moment hatte ich gerade den Telefonhörer in der Hand gehabt. Dieses Mal ließ ich mich durch nichts stören, richtete das Tele genau auf die Stelle wo die Sonne aufgehen sollte.
Man merkte wie sie „zögerte“, verursacht durch diese Inversionswetterlage. Und plötzlich ein blauer Blitz, oder eher wie eine lautlose Explosion. Geistesgegenwärtig auf den Auslöser gedrückt, es dauerte alles nur zwei, drei Sekunden.
Erst auf dem Bildschirm konnte ich dann im Detail sehen was ich beobachtet hatte.
Das äußerste, blaue Segment der Sonne wurde nach oben an die Inversionsschicht gespiegelt, dann folgte darunter der blaue Saum der Sonne. Mit bloßem Auge war dies kaum zu trennen, es war ein regelrechtes Aufblitzen. Einfach fantastisch. Der Seltenheitswert besteht darin dass das Blau meist durch die Luftverschmutzung geschluckt wird, es gibt nur sehr wenige Aufnahmen davon. Für mich ein toller Jahresabschluss mit den für mich „Fotos des Jahres“.

Die restlichen Klimawerte, in Klammern die langjährigen Mittelwerte:
Frosttage 26 (25), Eistage 6 (14), relative Luftfeuchte 86% (94), Bedeckungsgrad 63% (84), 22 Tage mit Nebel oder Nebeltreiben (27), an 13 Tagen (19) traten Böen der Windstärke sechs auf, an 2 Tagen (6) Böen der Windstärke acht.