Witterungsrückblick Oktober 2016

Warten auf den ersten Herbststurm

von Rüdiger Manig, Wetterstation Neuhaus/Rwg.

Warten auf den ersten Herbststurm

Letztlich ein sehr ruhiger, wenn nicht gar langweiliger zweiter Herbstmonat. Es gab zweifellos auch Lichtblicke, allerdings rar gesät. Zum Beispiel am 5.Oktober die ersten nassen Flocken – zeitgleich wie auf dem Brocken.

BILDERSCHAU

17 Fotos (Rüdiger Manig )

 Warten auf den ersten Herbststurm Warten auf den ersten Herbststurm Warten auf den ersten Herbststurm

Bilder ansehen

Zwei Dinge waren im Oktober sehr auffällig. Einerseits dass es erneut wie im letzten Jahr ein äußerst windschwacher Oktober war und andererseits die späte Laubverfärbung. Wie im letzten Jahr wurde an keinem Tag in einer Böe die Windstärke 8 erreicht, für einen Oktober sehr ungewöhnlich.
Ich habe mir einmal die Winddaten unserer Wetterstation der vergangenen 30 Jahre angesehen und es ist schon bemerkenswert.
Stellt man die ersten 15 Jahre den zweiten gegenüber so hat sich die Anzahl der Tage mit Windstärke 8 fast halbiert! In Zahlen heißt das 63 zu 37. Jedoch betrifft das nicht allein den Oktober. Ähnliche Tendenz im September, März und April und mit Abstrichen im Februar und Dezember.
Einziger Monat mit deutlicher Zunahme ist der Juli, hier haben sich die Tage fast verdoppelt. Gewitterböen!
Die sehr späte Laubverfärbung ist natürlich dem sehr warmen September geschuldet. Gegenüber dem mittleren Eintrittsdatum trat diese in diesem Jahr ca. 12 bis 14 Tage später auf. In den letzten 30 Jahren gab es im Großen und Ganzen fünf vergleichbare Jahre.
Die darauf folgenden Winter waren alle bis auf 2006/2007 recht annehmbar. Vor allem was die Langlaufmöglichkeiten betraf, zwischen 80 und 95 Tagen war das recht akzeptabel. 2006 gab es nach einem sehr warmen September einen ebenfalls zu warmen Oktober, der gesamte Winter war zu mild, an 10 Tagen die Chance zum Langlauf, mehr war nicht drin.

Meteorologisch gesehen wirklich ein nicht sehr spannender Monat. Der erste Monatstag der wärmste des Monats, Mitteltemperatur 11,1°C bei einem Maximum von 14,3°C. Bereits am darauffolgenden Tag floss hinter der Kaltfront des kleinen Wellentiefs XUN maritime Polarluft ein.
Trübe, nasskalte Tage, täglich Nebel, viel Niederschlag. Die nächsten 10 Tage sind schnell beschrieben. Zwischen Hoch PETER im Norden und Tief SOFIA im Osten herrschte eine nordöstliche Strömung, es wurde noch trister.
Die maritime Polarluft wurde durch die noch etwas kühlere Subpolarluft abgelöst. Minimum 0,5°C, vereinzelt erneut ein paar nasse Flocken. Auf den ersten richtig reinen Schneefall mussten wir allerdings immer noch warten. Wirkliches Highlight des Monats Sonntag der 16. Oktober.

Ein wahrer „Sonnen“tag – strahlend blauer Himmel mit ein paar flachen Cumuluswolken, acht Stunden Sonne, goldener Oktober. Hoch PETER hatte sich bereits am 14.Oktober Richtung Russland verabschiedet, vor Tief BRIGITTE drehte die Strömung auf Süd/Südwest, die Warmfront des Tiefs brachte kurzzeitig einen Schwall subtropischer Luft nach Deutschland.
Die Durchschnittstemperatur vom 15. bis 18.Oktober immerhin 8,8°C, über 5°C wärmer als die vorangegangenen zehn Tage. Alles jedoch nur eine kurze Episode. Nachdem uns am 18.Oktober des Frontensystems von Tief CHRISTA überquerte hatte – dabei zog ein kurzes Gewitter in den Abendstunden nördlich an uns vorbei – nistete sich Tief DANIELLE mit ihrer eindrucksvollen Wolkenspirale über viele Tage direkt über Deutschland ein.
Bekannte Folge: Täglich Nebel, Niederschläge, schwachwindig, eben einfach trist. Kleine Aufmunterung am Nachmittag des 20. Oktober – der erste reine Schneefall der Saison, fast eine Stunde lang schneite es hier oben auf dem Bornhügel mäßig.
Liegen blieb er natürlich noch nicht, der Boden war noch viel zu warm.
Der kälteste Tag des Monats der 22. Oktober, Mitteltemperatur 1,6°C, Minimum 0,4°C. In Steinach am Vogelsberg sank nach kurzem Aufklaren die Temperatur auf minus 1,7°C. Somit blieb der Oktober 2016 hier oben völlig „luftfrostfrei“, das gab es in den vergangenen 30 Jahren nur fünfmal. Im Mittel kann man im Oktober sechs Frosttage erwarten.

Versöhnlich der Monatsabschluss. Am Reformations- und Feiertag brachte uns Hoch QIUNN bei knapp 10°C über 5 Stunden Sonnenschein, das Wolkenband der diagonal über Deutschland liegenden Luftmassengrenze tangierte uns glücklicherweise nur schwach. Ein goldener Abschied.

Die restlichen Klimawerte, in Klammern die langjährigen Mittel: Lufttemperatur 5,2°C (6,2°C), Niederschlag 106 Liter pro Quadratmeter (87), Sonnenschein 43 Stunden (114). Tage mit Nebel/Nebeltreiben 29 (23), Tage mit in Böen Windstärke sechs 10 (14), der Windstärke acht keinen (4). Relative Luftfeuchte 95% (90), Bedeckungsgrad 90% (73), kein Frosttag, kein Eistag (<1). Interessant hierbei dass es in den ersten 15 Jahren nur einen Eistag im Oktober hier oben gab, in den folgenden 15 Jahren immerhin acht.

In den nächsten Tagen wird es sicher hier oben die erste Schneedecke geben, wie nachhaltig dieser erster Hauch von Winter sein wird ist noch nicht sicher. Nach den Prognosekarten vom heutigen 2.November sieht es noch recht verheißungsvoll aus. In den oben erwähnten vergleichbaren Jahren war es zumindest Weihnachten immer weiß, meist ausreichend Schnee bis Anfang März, 2013 sogar bis zum 12. April….