Witterungsrückblick September 2016

Wärmster September seit 55 Jahren

von Rüdiger Manig, Wetterstation Neuhaus/Rwg.

Wärmster September seit 55 Jahren

Beginnend mit dem 23.August folgten dreieinhalb Wochen ein mit kleinen Einschnitten versehender Spätsommer vom feinsten, als Krönung eine fünftägige Hitzewelle zu Beginn der zweiten Septemberdekade.

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10 Fotos (Rüdiger Manig )

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Obwohl Hitzewelle in unseren Höhenlagen immer etwas heftig klingt, jedoch wurden an immerhin vier Tagen neue Tagesrekorde für das Temperaturmaximum aufgestellt, an zwei Tagen sogar der bisherige Rekord aus dem Jahre 1961 überboten.
Nach dem zwar so nicht gefühltem, aber numerisch doch etwas zu warmen Sommer sorgte der erste Herbstmonat für eine bescheidene Entschädigung, stand dem August vom Temperaturniveau her nur um wenige Zehntel nach.

Acht Hochdruckgebiete in der Namensspannweite von HARALD bis OTTO sorgten für meist sehr ruhiges und sonniges Spätsommerwetter. Gleich zu Monatsbeginn löste IAN Hoch HARALD ab, warme Festlandsluft dominierte, geruhsame Bergsommertage mit knapp 22°C Höchsttemperatur, milde Abende.
 Ein kleiner Dämpfer am 4. September.
Die Kaltfront von Tief NETTI überquerte unsere Region, ohne jedoch hier oben große Aktivität zu entfalten. Am bedrohlichsten noch am Sonntagmittag die aufziehenden, dunklen wogenförmigen Wolken.
Mäßige Schauer, am Abend nördlich ein einzelnes Gewittergrollen, eine Böe Windstärke 8, alles keine großen Aufreger.
Zum gleichen Zeitpunkt jedoch bildete sich etwas weiter nördlich im Saale-Orla-Kreis ein Tornado der Stärke F2. Der kleine Ort Friedebach wurde glücklicherweise nur gestreift, aber im angrenzenden Wald gab es immense Schäden. Zwei Tage Sommerpause, ein Montag ohne Sonne ist eher passend zum weinen.

Nachfolgend baute sich im Osten Hoch JOHANNES auf, an seiner Westflanke strömte südeuropäische Subtropikluft zu uns. Mit 12,3 Stunden wurde der 7.September der sonnenscheinreichste Tag des Monats. Bis zum 15.September keinerlei Niederschlag, weiterhin viel, viel Sonne. Zwar überquerte uns in der Nacht vom 8. zum 9.September nochmals eine Kaltfront – jedoch wurde sie wohl von keinem bemerkt. Völlig inaktiv, lediglich kurz vor Mitternacht ein Windsprung von Süd auf Nordwest, ein kleiner Temperaturrückgang sowie eine etwas trockenere Luftmasse – das war es.
Bis zum Sommerende am Abend des 16.September dominierte eine sogenannte blockierende Omega-Lage das Wetter in Mitteleuropa, die Hochs hießen KARL und LUKAS, weiterhin Subtropikluft in welcher nun doch die Rekorde purzelten. Vom 11 . bis zum 13.September wurden neue Tagesrekorde aufgestellt, am 12. September mit 26,7°C und am darauffolgenden Dienstag mit 26,8°C wurde das bisherige Septembermaximum aus dem Jahre 1961 (26,2°C) übertroffen. An fünf Tagen würde neue Höchstwerte für das Temperaturminimum gemessen, am 13.September betrug dieses gerade 17,0°C – der Höchstwert für den September aus dem Jahre 1961 wurde damit egalisiert.
Fazit der ersten Septemberhälfte: Durchschnittstemperatur 17,2°C, eine Abweichung gegenüber dem klimatologischen Mittelwert des September um 7°C! Hinsichtlich der Sonnenscheindauer wurden schon 85% des Durchschnitts erreicht, beim Niederschlag nur 20%.

Ein kurzes Gewitter am Morgen des 16.September läutete den Sommerabschied ein, der Freitag selbst noch ganz akzeptabel, am Samstag war dann alles vorbei. Am späten Freitagabend hatte uns das kräftige Niederschlagsgebiet des Tiefs THERESIA erreicht.
Dieses Tief war im Ostalpenraum an einer Luftmassengrenze entstanden und dann nach Norden gezogen. Eingelagert in dieses Niederschlagsgebiet einige Gewitter, welche Freitagnacht dann für etwas Unruhe sorgten, vor allem in Richtung Ost/Südost an der Grenze zu Bayern.
Am Samstag immer wieder Regen, die Temperaturspanne lag zwischen 11,0°C und 12,4°, da muss nicht speziell erwähnt werden das keinerlei Sonnenstrahl zu sehen war, Nebeltreiben herrschte vor.
Die Niederschlagsmengen über diese zwei Tage auf kleinstem Raum schon sehr unterschiedlich: Neuhaus 53, Ernstthal 65 und Steinach am Vogelsberg 41 Liter pro Quadratmeter.
Vom 16. bis 20.September nur wenige Minuten Sonnenschein, in der eingeflossenen erwärmten Subpolarluft stieg die Temperatur am 19. September nicht über 10°C. Monatsminimum mit 4,5°C am Morgen des 21.September, verbreitet leichter Reif. In Steinach am Vogelsberg sank die Lufttemperatur nach klarer Nacht bis auf 1,7°C.

In der letzten Septemberdekade dann doch noch einmal so etwas wie ein letzter Versuch dieses wunderbaren Spätsommers nicht so abrupt enden zu wollen.
Am 24. und 25. jeweils 10 Stundenschein Sonnenschein, die 20°C wurden allerdings nicht mehr erreicht, Maximum der letzten Dekade 18,7°C am 29.September bei stürmischem Wind knapp an der Schwelle zur Windstärke 8.
Wenn die Wäsche auf der Leine blieb war sie sehr schnell trocken…
Die Kaltfront des Tiefs VLADIANA streifte uns vom 26. zum 27.September, eine halbe Stunde leichter Regen oder Regentropfen, das war es auch bei dieser Kaltfront.
Die letzten Monatstage etwas stürmisch, hoher Luftdruck über den Alpen (OTTO) und ein sich intensivierendes Sturmtief (WALPURGA) über Skandinavien verschärften die Luftdruckgegensätze.

Für unsere Region ein eher beschaulicher erster Herbstmonat, sieht man in andere Teile Deutschlands war dies nicht der Fall.
Wie zum Beispiel die Tornadobildung am 4.September, der Tornado in Friedebach war an diesem Tag nicht der Einzige in Deutschland.

Bemerkenswert auf jeden Fall die Zunahme der sehr warmen Tage im September in Neuhaus seit 1987.
Ich habe hier einfach als Schwellenwert die 24°C-Marke genommen, hier zeichnet sich diese Zunahme besonders gut ab. In den ersten 15 Jahren seit Bestehen der Wetterstation wurde diese im September nur 4x erreicht, in den folgenden 15 Jahren bis 2016 war dies bereits 16x mal der Fall!

Durchschnittstemperatur 14,4°C – damit war der September gegenüber dem Klimamittel der Jahre 1961-1990 um satte 4,2°C zu warm. Drittwärmster September nach 1947 und 1961, der schon sehr warme September 2006 wurde noch um zwei Zehntel überflügelt.
Dazu sehr viel Licht im ersten Herbstmonat – 181 Stunden Sonnenschein bedeuten ein Plus von 30% gegenüber dem zu erwartendem, an 19 Tagen war sie länger als 5 Stunden zu sehen.
Niederschlagsmenge 69 Liter pro Quadratmeter, nicht einmal 10% unter dem Klimamittel – jedoch kam diese nur an wenigen Tagen zustande. Genaugenommen und zusammengerechnet über 90% in 72 Stunden, der Großteil des Regens floss oberirdisch ab. Keine Chance für eine nachhaltige Sättigung des Erdbodens, nur örtlich konnte man dies beobachten.

Die übrigen Klimawerte, in Klammern die langjährigen Mittel: Bergsommertage 12 (3), relative Feuchte 77% (85), Bedeckungsgrad 49% (73), Gewittertage 3 (2), Tage mit Nebel und Nebeltreiben 12 (17), mittlere Windgeschwindigkeit 3,2 m/s (3,7), Tage mit Böen der Windstärke sechs 6 (10), der Windstärke acht einer (zwei).