Witterungsrückblick August 2016

Versöhnlicher Sommerausklang

von Rüdiger Manig, Wetterstation Neuhaus/Rwg.

Versöhnlicher Sommerausklang

Im Abgang konnte der letzte Sommermonat nicht schöner sein. Viel, viel Sonne, Temperaturrekord für die letzte Augustdekade aufgestellt, Maximum eingestellt, dazu zumindest einige laue Abende. Nach Juni und Juli fiel nun auch der letzte Sommermonat zu warm aus.

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18 Fotos (Rüdiger Manig )

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Die Abweichung nicht ganz so groß wie bei den beiden ersten, bei einer Durchschnittstemperatur von 14,8°C beträgt diese plus 1,6°C. Letztlich verdankt dies der August natürlich nur seiner letzten Dekade, Mitteltemperatur 17,5°C – so warm war es Ende August seit Bestehen der Wetterstation noch nie.
Und man wird es kaum glauben – in den letzten 30 Jahren gab es nur „drei“ Sommer, welche noch wärmer ausfielen. 1994, dann derjenige im letzten Jahr und natürlich mit Abstand der Sommer 2003.
Was schuf nun das schlechte Image des vergangenen Sommers? Bis Mitte August etwas zu wenig Sonnenschein, dazu ausreichend Niederschlag. Und klarer Minuspunkt – es fehlten die lauen Sommerabende, das Grill- und Partywetter zum Tagesende. Es war dieses Achterbahnwetter, beständig unbeständig, nichts um etwas längerfristig planen zu können. Flexibilität war angesagt.
Die Statistik zeigt es ganz klar – die schönsten Tage des Jahres sind die Anfang August. Kam die Frage an mich an welchem Wochenende die besten Chancen für eine Hochzeit im Freien bestünden, ich habe immer auf das erste Augustwochenende verwiesen.
In diesem Jahr war es etwas knapp, der Monatsbeginn stand immer noch unter dem Einfluss einer zyklonalen Westlage, kaum Sonne vom 2. bis 5.August, nicht allzu warme Meeresluft. Allerdings – zum ersten Augustwochenende Hochdruckeinfluss, Hoch DANIEL bescherte uns zwei Bergsommertage plus rund 23 Stunden Sonnenschein.
Sieht man sich die letzten 30 Jahre an, so sind der 6. und der 1.August mit etwas Abstand die schönsten Tage des Jahres.
Nicht unbedingt bei der Temperatur, eine Mitteltemperatur von 15,9°C oder etwas mehr oder weniger weisen mehrere Tage Ende Juli/Anfang August auf. Allein bei der Sonnenscheindauer – 239 Stunden schien sie in der Summe am 6.August, nur zwei Stunden weniger am 1.August. Die nächstplatzierten deutlich dahinter, weit über 20 Stunden weniger.
Wie oben geschrieben, in diesem Jahr war es knapp. Bereits ab dem 9.August gab einen markanten Wetterumschwung. Das Tiefdrucksystem ELLA brachte in zwei Staffeln maritime Polarluft zu uns, kurzzeitig sogar einen Schwall maritime Luft arktischen Ursprungs. Bereits am späten Abend des 10.August sank die Temperatur unter 5°C, am Morgen des 11.August leicht herbstliche Stimmung.
Verbreitet Reif, stellenweise mäßigen Ausmaßes. Jedoch kein Bodenfrost. Diese Temperatur wird 5cm über unbewachsenem Erdboden gemessen und betrug hier plus 0,5°C.
Dagegen nur einige Meter daneben, direkt auf der Grasoberfläche welche die Wärmestrahlung der Erde gut abschirmt, zeigte das konventionelle Thermometer minus 4,0°C! Es war jedoch nicht nur fußkalt, das Minimum der normalen Lufttemperatur bei 2,9°C – Negativrekord für Mitte August.
Das absolute Augustminimum stammt mit 2,5°C aus dem Jahre 1966, wurde damals allerdings zu einem viel späteren Zeitpunkt registriert, dem 25.August. In Steinach am Vogelsberg betrug das Luftminimum am Morgen des 11.August an zwei verschiedenen Messpunkten 0,5 bzw. 0,6°C.

Allerdings war es nur ein Schreckschuss, der Sommer kehrte zurück bzw. fing nun erst richtig an, wie man will. Am 12.August überquerten uns zwei Warmfronten des Tiefs FINNI. Neben dem 3.August der einzige Tag ohne Sonnenschein im Monat, jedoch begann an diesem Tag so etwas wie der Sommer, wenn vorerst auch nur in moderater Form. Die folgenden 11 Tage mehrheitlich sommerlich, viel Sonnenschein (am 18. August 13,5 h), an vielen Tagen eine Höchsttemperatur über 20°C – Bergsommertage.
Nur eines fehlte immer noch – die lauen Abende und Nächte. Und selbst in Genuss dieser kamen wir nun noch, obwohl es dann zu einer Tropennacht doch nicht ganz reichte. In der Nacht vom 26. zum 27.August betrug die Temperatur um 2 Uhr noch 20°C, sank dann aber noch zu Sonnenaufgang noch auf 19°C.
Zeitgleich in unserer Steinacher Tallage nur 11°C. Diese etwas längere und recht markante Hitzewelle vom 24. bis 28.August hatte es in sich, deutschlandweit wurden viele Rekorde für die letzte Augustdekade gebrochen. Hier in Neuhaus nicht ganz, das Maximum von 29,0°C am Samstag stellte den Rekord aus dem Jahre 1966 nur ein, damals trat dieses einen Tag später auf.

Und was natürlich ebenfalls vermisst wurde – die Gewitter. Zumindest von manch einem. Bis zu diesem Wochenende kein einziges in unserer Region, eher eine seltene Geschichte diese Gewitterarmut. Die Kaltfront mit vorauslaufender Konvergenz des Tiefs KITTY durchbrach diese herrliche Hochdruckphase. Erstes Donnergrollen am Sonntag um 17 Uhr, jedoch fielen die Gewitter recht bescheiden aus.
In Neuhaus und Schmiedefeld zumindest Hagel bis maximal 1cm Durchmesser, am späteren Abend eine Böe der Windstärke 8 – diese hatte es zuletzt am 29.März (!) gegeben. Dazu 13 Liter pro Quadratmeter Niederschlag, nach der längeren Durststrecke ein Segen. Jedoch nach Süden Richtung Steinach nahm diese schnell ab, stellenweise nicht einmal ein Liter auf den Quadratmeter.
Wunderbarer Monatsabschluss, der letzte Augusttag nochmals ein wolkenloser Bergsommertag mit fantastischer Fernsicht bis zum Brocken, immerhin 140 km.

Die restlichen Klimawerte, in Klammern die langjährigen Mittel bzw. die Abweichung:
Bergsommertage 14 (13), relative Feuchte 74% (77), Gewittertage 1 (5), Tage mit Nebel oder Nebeltreiben 10 (12), Bedeckungsgrad 48% (61), Tage mit in Böen Windstärke Sechs 6 (10), mit Windstärke Acht 1 (1). Sonnenscheindauer 238,4 Stunden ( plus 33%), Niederschlag 57,7 Liter pro Quadratmeter (minus 38,5 %).

Und somit bestätigte sich auch wieder in diesem Jahr, der August ist nach dem April der Monat mit dem positivsten Trend nach oben – wärmer, trockener, sonniger.

Eigentlich ein schöner Trend für die erste Septemberhälfte, alles weitere wäre Spekulation: Der Spätsommer könnte sich nicht so schnell geschlagen geben, auch wenn es zum nächsten Wochenwechsel einen kleinen Dämpfer geben wird.