Witterungsrückblick Juni 2016

Zeitweise gefühlter Herbst, jedoch über zwei Grad zu warm

von Rüdiger Manig, Wetterstation Neuhaus/Rwg.

Zeitweise gefühlter Herbst, jedoch über zwei Grad zu warm

Den nackten Zahlen nach war es eigentlich ein ganz annehmbarer Monat. 175 Stunden Sonnenschein bedeuten gerade einmal ein Minus von 5% gegenüber dem klimatologischen Mittel, beim Niederschlag ein Plus von 31% - in der Summe 141 Liter pro Quadratmeter. Und mit einer Durchschnittstemperatur von 13,8°C (ein Plus von 2,2°C, Juli/August-Niveau) fiel er doch klar zu warm aus. Immerhin Platz 14 in der Rangliste seit 1940.

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16 Fotos (Rüdiger Manig )

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Gefühlt war er jedoch viel bescheidener, gelinde ausgedrückt. Wohl ausschlaggebendster Grund: Monatsübergreifend gab es vom 22. Mai bis zum 21. Juni nur fünf Tage ohne messbaren Niederschlag, an 22 Tagen Nebel oder Nebeltreiben, an 15 Tagen konnten wir Gewitter registrieren.

Zu Monatsbeginn dominierte ein über Mitteleuropa liegendes hochreichendes Tief namens FRIEDERIKE das Geschehen. Deutschlandweit verbreitet Unwetter, im Prinzip täglich.
Unsere Region blieb von heftigeren Geschichten verschont, obwohl es natürlich örtlich Hagel oder Starkniederschläge gab – wie zum Beispiel am 6. Juni zwischen Neuhaus und Steinheid oder in Forschengereuth.
Dazu in subtropischer Luft Tageshöchsttemperaturen von über 20°C – Bergsommertage.
Kleine Verschnaufpause vom 9. bis zum 11. Juni, nach der schwachen Kaltfront von Tief GISELA war erwärmte Subpolarluft eingeflossen, ein Keil des Hochs ULRICH kam zum Zuge.
Doch bereits ab dem 12. Juni floss unter zunehmenden Tiefdruckeinfluss wieder eine sehr instabile Luftmasse nach Mitteleuropa.
Ab dem 15. befanden wir uns dann erneut in einem ähnlichen Tiefdrucksumpf wieder wie zu Beginn des Monats, nur in einer merklich kühleren Luftmasse. Es gab vom 12. bis 18. Juni nochmals sechs Gewittertage, allerdings waren es meist keine Nahgewitter.
Kältester Tag des Monats der 17. Juni, Mitteltemperatur 10,2 °C dazu ein Maximum von gerade 12,5°C. Das Monatsminimum dann drei Tage später am Morgen des 20. Juni: 7,5°C, in Steinach am Vogelsberg ging es knapp unter die 5°C-Grad-Marke. Der 17. Juni war gleichzeitig der windigste Tag des Monats und der einzigste, an welchem in einer Böe die Windstärke 7 erreicht wurde.

Pünktlich dann zum Sommeranfang ein erneuter Anlauf eines wahren Sommers, leider ohne Nachhaltigkeit. Sommerliche Highlights des Juni der 23. und 24., hier wurden unter Einfluss von Hoch WOLFGANG mit 27,6 und 29,2°C zwei neue Tagesrekorde aufgestellt. Allerdings keine neuen absoluten Höchstwerte für den Juni: 2014 wurde in der ersten Dekade und 2013 in der zweiten Dekade jeweils knapp die 30°C-Marke übertroffen.

Bei völlig wolkenlosem Himmel wurde zugleich der 23. Juni mit einer Sonnenscheindauer von 15,7 Stunden der sonnigste Tag des Monats, am folgenden Freitag waren es durch einzelne Quellwolken bedingt ein paar Minuten weniger.
Diese erste Hitzewelle wurde am folgenden Wochenende durch zwei Kaltfronten bzw. Luftmassengrenzen schnell beendet. Und wieder Glück für unsere Region – durch Teiltiefbildung und dessen entscheidender Verlagerung blieben wir fast völlig von irgendwelchen konvektiven Ereignissen verschont. Leichte Schauer und entferntes Donnergrollen – das war es eigentlich.

Die restlichen Klimawerte, in Klammern wie immer die langjährigen Mittel:
Bergsommertage (Maximum >= 20°C) 8 (8), Gewittertage 13 (6), Nebeltage 18 (14), Tage mit in Böen Windstärke sechs 5 (10), relative Luftfeuchte 82% (77), Bedeckungsgrad 65% (69), mittlere Windgeschwindigkeit 11,2 Kilometer pro Stunde (12,6).
Erwähnenswert sicher noch dass es bisher nur einen Monat mit 13 Gewittertagen gab – den Mai 1993 und es dass bisher im Juni noch nie so ein hohes absolutes Monatsminimum gegeben hat.

Tendenz für den Juli – es bleibt sehr abwechslungsreich, kein Heu-Hoch in Sicht.