Witterungsrückblick Mai 2016

Sonne und Sommertage, aber Pfingstsonntag kälter als Heiligabend

von Rüdiger Manig, Wetterstation Neuhaus/Rwg.

Sonne und Sommertage,       aber Pfingstsonntag kälter als Heiligabend

Der Mai begann fabelhaft. Zwar anfangs etwas windig und mit verhaltenen Temperaturen, jedoch trocken und mit viel Sonnenschein. Kleiner Makel nur der 3.Mai, eine schwache Kaltfront des Tiefs WALTRAUD überquerte an diesem Tag unsere Region. Direkt über unserer Station entwickelte sich ein einzelner, kräftiger Schauer und brachte über mehrere Minuten bis zu 1,5 cm große Hagelkörner. Die Temperatur sank von 13°C auf 5°C. Das war es dann aber auch mit Niederschlag und unwirsch Wetter für viele Tage.

BILDERSCHAU

11 Fotos (Rüdiger Manig )

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Bis zum 11. Mai gab es Sonnenschein pur, vom 6. bis 8. Mai schien sie täglich länger als 14 Stunden. War die Temperatur in den Morgenstunden des 4.Mai in der eingeflossenen kühlen Meeresluft noch auf exakt 0,0°C gefallen – danach wurde warme und trockene Festlandsluft wetterbestimmend.
Hoch PETER mit Zentrum über der Ostsee bescherte uns einen wunderbaren Himmelfahrtstag, ideales Wanderwetter.
Am 7.Mai kratzte das Maximum von 19,7°C bereits an der Tür zum ersten Bergsommertag, welcher dann am 10. Mai mit 20,7°C amtlich wurde. Es wurde die sonnigste erste Maidekade seit Bestehen der Wetterstation – 113,5 Stunden! Im Laufe des 11.Mai löste sich Hoch PETER bedauerlicherweise auf, Pfingsten und die Eisheiligen nahten, die Wetterlage stellte sich grundlegend um.

Die milden Temperaturen hielten sich zwar noch bis zum 13. Mai (Maximum 16,3°C), aber bereits am Pfingstsamstag hatte uns deutlich kühlere Meeresluft im Griff, Höchsttemperatur gerade einmal 7,8°C. Die absolute Talsohle wurde allerdings am Pfingstsonntag durchquert.
Das über Skandinavien liegende Tief ZOOEY II lenkte auf unmittelbarem Wege labile maritime Arktikluft zu uns. Schnee- und Graupelschauer, zeitweise bildete sich eine dünne Schneedecke. In den frühen Morgenstunden gab es sogar mit minus 0,4°C leichten Frost.
In den raren sonnigen Abschnitten zwischen den einzelnen Schauern stieg die Temperatur gerademal auf 5,4°C, das Tagesmittel betrug sehr bescheidene 1,8°C. Damit war der diesjährige Pfingstsonntag kälter und „schneereicher“ als der letztjährige Heiligabend plus ersten Weihnachtsfeiertag.
In Steinach am Vogelsberg betrug das Minimum in diesen Tagen minus 2,0°C, was dem Nachwuchs der in unserem Garten brütenden Heckenbraunellen das Leben gekostet haben könnte.

Das diesjährige Pfingstfest lag andererseits genau im Bereich der Eisheiligen. In den Temperaturmittelwerten der vergangenen 30 Jahre kristallisieren sich diese auch hier in Neuhaus recht deutlich heraus.
Vergleicht man die ersten 15 Jahre mit den letzten 15 Jahren zeigen sich allerdings zwei Dinge. Einerseits haben sie sich im Mittel etwas nach hinten verschoben (12. bis 18. Mai) und sind im Durchschnitt etwas kälter geworden. Kältester Tag der letzten 15 Jahre mit einem Mittel von 8,2°C der 15. Mai.

Die diesjährigen Eisheiligen blieben uns bis zum 17. Mai erhalten. In diesem Morgen mit minus 1,2°C der wohl letzte Bodenfrost der Saison. In diesem Zeitraum sehr trübe, ruhige Tage, kaum messbarer Niederschlag. Bisher waren im Mai noch keine 10 Liter pro Quadratmeter gefallen, die Regenfässer so gut wie leer.

Die Temperaturen erholten sich schließlich langsam und am 22. Mai gab es einen so richtig krassen Sonntag-Sommertag. Zwischen Hoch REIMAR im Osten und Tief BARBARA im Westen wurde kurzzeitig eine subtropische Luftmasse heran transportiert. Nur kurz jedoch dieses angenehme Gefühl eines herrlichen Sommertages.
Bereits in der Nacht zum Montag überquerte uns BARBARAS Kaltfront, allerdings ohne großes Theater, nur Wetterleuchten und leichter Regen. Betrug das Maximum am Sonntag immerhin 24,5°C verharrte es am Montag in maritimer Polarluft bei sehr bescheidenen 11,9°C.
Die letzten Monatstage wurden dann durch einerseits wieder in den sommerlichen Bereich ansteigende Temperaturen und immer weiter zunehmender Gewitteraktivität dominiert. Im Detail diese Wetterlagen zu beschreiben würde sicher zu weit führen.

Erwähnenswert in diesem Zeitraum noch der sehr starke Fichtenpollenflug. Es war zwar schwachwindig, kam dann doch einmal eine etwas stärkere Böe wurde aus der eigentlichen Fernsicht kurzzeitig fast ein gelbes Nebeltreiben. Aber schließlich waren ja Niederschläge in Aussicht.
Es begann im Osten mit sogenannten Warmlufteinschubgewittern, welche jedoch noch keinen Einfluss auf unsere Region hatten. Erst mit dem von Frankreich langsam heranziehen Tief ELVIRA wurde das letzte Maiwochenende mehr als spannend. In dieser gradientschwachen Lage eine Prognose aufzustellen wann und wo es zu den heftigsten Entwicklungen kommen würde war eigentlich unmöglich.
Im Prinzip konnte zuerst nur großräumig gewarnt werden bzw. Regionen benannt werden wo es keine Aktivitäten geben würde. Und dann hieß es einfach aufpassen wo sich etwas entwickelte, welche Zugbahnen es geben könnte.
In Neuhaus selbst das heftigste Gewitter in der Nacht vom Samstag zum Sonntag. Hatte es bereits am Samstagmittag das erste kurze Gewitter mit kleinem Hagel gegeben dann in der Nacht eine maximale stündliche Niederschlagssumme von 13,3 Liter pro Quadratmeter – nichts außergewöhnliches. Die Tagessumme 26 Liter pro Quadratmeter, in Ernstthal 12 und in Steinach 11 Liter pro Quadratmeter.
Am Sonntag dann eine sehr schwüle Luftmasse, Taupunkt zwischen 15 – 16°C. Wir hatten das Glück von einem derartigen Unwetter wie es sich über Ilmenau entlud verschont zu werden. Das Gewitter hatte sich an Ort und Stelle gebildet und durch denn kaum vorhandenen Wind blieb es stationär – und fiel dort mit seinen Hagelmassen wieder in sich zusammen.
Beeindruckend wie man auch noch viel weiter südlich durch von Norden heranziehenden tiefen Wolken diese herabstürzende Kaltluft spüren konnte.
Mit einer Mitteltemperatur von 10,2°C fiel der Mai 2016 um 1,6°C zu warm aus, 203 Stunden Sonnenschein bedeuten ein leichtes Plus von 9 Prozent. Die letzten fünf Tage erhöhten die Niederschlagssumme wenigstens noch auf 67 Liter pro Quadratmeter, das entspricht 70% des langjährigen Mittelwertes.

Die restlichen Klimawerte, in Klammern die Durchschnittswerte:
Ein Frosttag (2), 4 Tage mit Gewitter (5), 12 Tage mit Nebel oder Nebeltreiben (14), relative Luftfeuchte 75 % (75), Bedeckungsgrad 56% (65), an 12 Tagen gab es in Böen Windstärke sechs (11), an keinem Tag Böen der Windstärke acht – hier könnte man einen erwarten.