Witterungsrückblick April 2016

Aprilwetter !!!

von Rüdiger Manig, Wetterstation Neuhaus/Rwg.

Aprilwetter !!!

Diesen Monatsrückblick muss man einfach vom Ende her aufrollen, so ausgeprägtes und charakteristisches Aprilwetter vor allem am Ende des Monats hatten wir schon lange nicht mehr.

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 Aprilwetter !!! Aprilwetter !!! Aprilwetter !!!

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Natürlich, der 1.April hatte es ebenfalls in sich. Die neun Zentimeter Neuschnee mit Schneetreiben gingen freilich bei vielen wohl eher als Aprilscherz durch – und danach kamen die Winterreifen runter. Klar, bereits zwei Tage später frühsommerliche Temperaturen mit über 20°C in den Tallagen, in Neuhaus immerhin über 16°C.

Der Kälteeinbruch zum Monatsende war jedoch dann eine ganz andere Nummer. Nachhaltig angedeutet hatte er sich in den Prognosekarten bereits eine Woche vorher, zumindest dahingehend war es nicht die große Überraschung. Spannend für uns war die Frage wieviel Neuschnee er bringen würde.
So ungewöhnlich ist es ja nun nicht in unserer Höhenlage, das Ende April noch Schnee zu finden ist – allerdings Altschnee.
Andererseits – eine halbwegs geschlossene Schneedecke nach dem 23.April (einschließlich Mai) gab es in den Jahren seit 1987 nur an 30 Tagen, dieses Jahr an vergleichsweise beachtlichen 8 Tagen.
Dies jedoch ist nicht das Extreme an diesem Kälteeinbruch – es ist einfach die Neuschneemenge und dazu die Nachhaltigkeit des Rückfalls in spätwinterliches Wetter. Einschließlich 1987 fiel in der Zeit nach dem 22.April nur an 10 Tagen überhaupt Neuschnee – davon an 6 Tagen im April.
Im vergangenen April an 6 Tagen in Folge – das gab es noch nie bzw. muss sehr lange her sein. Natürlich kam gleich die Frage: Gab es das schon einmal in dieser Größenordnung? 21 Zentimeter Neuschnee innerhalb 19 Stunden in der letzten Aprildekade? Das Recherchieren war nicht ganz einfach, aber mit zur Hilfenahme umliegender Wetterstationen konnte man es schnell eingrenzen.
Leider konnte ich von Neuhaus selbst nur die Extremwerte ermitteln. Es ist schon fast zwei Generationen her – 24./25.April 1980, da war das Ganze anscheinend noch eine Spur krasser. In der Apelsbergstraße (805m) in Neuhaus lag am Morgen des 25. eine Schneedecke von 36 cm – bei einer 24stündigen Niederschlagsmenge von 35 Litern pro Quadratmeter, der Großteil davon muss als Neuschnee gefallen sein. Denn in Sonneberg-Neufang wuchs die Schneehöhe in diesen Zeitraum von 4 auf 18 cm, auf der Schmücke von 38 auf 68 Zentimeter. Dort hatte es am Tag zuvor allerdings auch schon mindestens 16 Zentimeter Neuschnee gegeben.
Die Großwetterlage war damals ähnlich – Tief Mitteleuropa.
Nur die genaue Lage des Tiefs unterschied sich grundsätzlich. Am Morgen des 26.April 2016 lag das ausschlaggebende Tief UTA etwa über der Deutschen Bucht, dadurch herrschte bei uns klassischer Südweststau, nach Nordosten nahm die Niederschlagsmenge sehr schnell ab.
Ganz anders 1980 – da lag das Tief anfangs östlich von uns im Bereich der Hohen Tatra und zog dann über das Vogtland Richtung NRW. Dadurch herrschte hier im Thüringer Schiefergebirge zumindest über zwei Tage eine typische Nordstausituation, und es schneite bis ins Flachland.
Am Morgen des 25.April 1980 lagen in Rudolstadt, Uhlstädt und Langenschade 7 cm Schnee, in Großkochberg war es einer mehr. Südlich des Thüringer Waldes gab es in den tieferen Lagen kaum Schnee.
Es war eben wieder einmal ein klassischer April, aber keinesfalls ein unwirtlicher.
Mit einer Durchschnittstemperatur von 4,4°C fiel er um 0,8°C zu mild aus, eine Niederschlagsmenge von 67 Liter pro Quadratmeter bedeutet ein Minus von 27 Prozent – wobei über die Hälfte des Niederschlags an nur zwei Tagen gemessen wurde.

Ein kleines Plus beim Sonnenschein, in der Summe rund 150 Stunden, an nur zwei Tagen war sie überhaupt nicht zu sehen, dafür an 15 Tagen länger als 5 Stunden.

Nach der kleinen weißen Überraschung am Monatsersten bereits ab dem 2.April viel Sonne, mit einer südlichen Strömung wurden subtropische Luftmassen herangeführt, der wärmste Tag des Monats wurde der 4.April – Mitteltemperatur 12,1°C, Maximum 16,4°C.
Drei Tage später – Tief NINOTSCHKA brachte zur Abwechslung wieder einmal Schnee- und Graupelschauer, die Temperatur sank in der subpolaren Meeresluft gegen Null.
Es folgten erneut sonnige Tage, mit einer Ausnahme – der 11. wurde ein absolut trister, grauer Montag, einer der beiden Tage ohne Sonnenschein.
Die Kaltfront des Tiefs PETRA überquerte uns in der Nacht vom 16. zum 17.April, 15 Liter pro Quadratmeter Niederschlag – ohne Schnee.
Danach erneut ein Schwall frischer subpolarer Meeresluft – am Morgen des 18. April mit minus 0,5°C leichter Frost, in Steinach am Vogelsberg sogar minus 4,1°C.

Bevor über uns dann ab Samstag den 23.April mit ersten Schneeflocken in den Frühstunden der Spätwinter einholte gab es dank Hoch NORBERT zuvor drei wunderschöne Tage, der Freitag das Highlight – 15,4°C in erwärmter Osteuropäischer Festlandsluft und mit 13,6 Stunden Sonnenschein der schönste Tag des Monats.

Und dann? Eine knappe Woche Winterfeeling, vom 24. bis 27. die Tagesmittel- temperaturen im negativen Bereich, absolutes Monatsminimum am 25.April mit minus 4,1°C.
Und – es gab noch einen Eis(!)tag, am 27.April stieg die Temperatur nicht über Null Grad. Allerdings - kein Rekord – 1989 gab es den letzten Eistag am 28.April. Niederschlagsreichster Tag des Monats der 25. mit 21 Liter pro Quadratmeter – Schneeanteil 100 Prozent.
Die maximale Schneehöhe von 21 cm konnten wir am 26. um 11 Uhr messen, am Morgen des 30.April lag am Rennsteig in Ernstthal eine noch geschlossene Schneedecke von mehreren Zentimetern, letzte Reste überlebten bis zum 3.Mai. Der letzte Apriltag ließ trotz der noch vorhandenen weißen Pracht im Wald wieder alles vergessen – bei viel Sonnenschein stieg die Temperatur wieder bis knapp an die 14°C-Marke.
Charakteristischer kann Aprilwetter einfach nicht sein, nur ein, zwei Gewitter fehlten.

Die restlichen Klimawerte, in Klammern die langjährigen Mittel:
11 Frosttage (11), ein Eistag (1), kein Tag mit Gewitter (2), 12 Tage mit Nebel oder Nebeltreiben (15), relative Luftfeuchte 80 % (77), Bedeckungsgrad 64% (68), an 11 Tagen gab es in Böen Windstärke sechs (11), an keinem Tag Böen der Windstärke acht – hier könnte man zwei erwarten.