Witterungsrückblick Januar 2016

Immerhin vierzehn Tage Winter

von Rüdiger Manig, Wetterstation Neuhaus/Rwg.

Immerhin  vierzehn Tage Winter

Obwohl der erste Monat des Jahres um 5,4°C kälter als der Dezember 2015 ausfiel – es war erneut ein viel zu milder Wintermonat. Mit einer mittleren Temperatur von minus 2,0 betrug die Abweichung plus 1,7°C, Platz 17 in der Rangliste seit 1940.

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Das Jahr begann sehr ruhig. Wir befanden uns im Übergangsbereich einer von Nordwest nach Südost verlaufenden Luftmassengrenze, welche die trockene und sehr kalte Luft nordöstlich von uns von der erheblich milderen Subpolarluft aus Südwesteuropa trennte.
Dauerfrost bis zum 5. Januar (Minimum minus 6,1°C), die in der Höhe herangeführte wärmere Luft führte in der Nacht vom 4./5.Januar und 6./7.Januar zu Niederschlag mit Glatteisbildung.
Nichts extremes, aber stellenweise war dennoch Vorsicht geboten. Die Luftmassengrenze hielt sich bis zum 7.Januar, dann setzte sich deutschlandweit wieder die Westwetterlage durch. Unerhebliche Niederschläge mit Schneeanteil ließen die Schneedecke auf 14 cm anwachsen – bei Temperaturen um die 0°C bis zum 11. Januar war diese aber wirklich nur in den obersten Lagen anzutreffen.

Am 12. Januar brachte dann das über der Nordsee liegende Tief CAROLINA kühlere subpolare Meeresluft in unsere Region, die Niederschläge intensivierten sich. Vom 11. bis 13. Januar fielen 27 cm Neuschnee, am Mittag des 13. betrug die Schneehöhe 32 cm und kurz vor 14 Uhr wurde die erste Loipe hier oben auf dem Bornhügel gelegt.
Ab dem 13. gleichfalls wieder Dauerfrost, Bodentiefserie EMMA I-IV überquerte am 14./15. Januar Deutschland und auf ihrer Rückseite drehte die Strömung auf Nord.
Bis zum Morgen des 17. Januar waren weitere 27 cm Neuschnee gefallen, an diesem Sonntag wurde mit 51 cm das Schneemaximum des bisherigen Winters gemessen. Und endlich knackigere Temperaturen - und neben dem Schnee der lange vermisste Sonnenschein.
Am Vormittag des 18. lockerte es auf, sonnig bis zum Abend. Schönster Wintertag des Januar jedoch der darauffolgende Dienstag.
Nach klarer Nacht sank die Temperatur in der eingeflossenen maritimen Arktikluft hier oben auf minus 13,3°C. In den tieferen Lagen noch deutlich darunter, nach Aussagen von nach Süden fahrenden Pendlern gab es auf den Autothermometern - welche nach meiner Erfahrung akzeptable Messwerte liefern – bis zu minus 20°C.
An einem außer Konkurrenz und direkt auf die Schneedecke platzierten konventionellen Thermometer sank die Temperatur auf unserem Schneemessfeld bis auf minus 28,6°C! Ein Unterschied von über 15°C bei einer Höhendifferenz von nur 1,5 Metern.
Am Vormittag dieses Tages war hier zudem für etwa zwei Stunden ein seltenes und wunderschönes Phänomen zu beobachten – Eisnebelhalos. Normalerweise sieht man diese Haloerscheinungen ja an den Cirruswolken in großer Höhe.
Bei den Eisnebelhalos steht man jedoch mehr oder weniger inmitten dieser schwebenden Kristalle, welche diese traumhaften Erscheinungen entstehen lassen und erlebt dieses dreidimensional.

Am 21. und 22. Januar nochmals zwei traumhafte Wintertage mit in der Summe knapp 14 Stunden Sonnenschein. Dann zog jedoch langsam mit der erneuten Umstellung auf die uns in diesem Winter über weite Teile beherrschende Westlage wieder die Tristesse ein.
Am 26. konnte ich die letzten Langläufer auf dem Bornhügel sehen und der folgende Mittwoch wurde der wärmste Tag des Monats. In sehr, sehr milder subtropischer Meeresluft betrug das Tagesmittel 4,7°C und lag damit um 15,6°C höher als acht Tage zuvor am 19. Januar.
Höchsttemperatur 6,4°C, Minimum gerade einmal 2,9°C - der Schnee schrumpfte rasant. In den Mittagsstunden des 28. gerade noch einmal 14 cm und mit erheblichen Lücken.

Zum schnellen Abgesang hatte natürlich auch das stürmische Monatsende beigetragen. An den letzten sechs Monatstagen täglich in Böen mindestens Windstärke 8, dazu zunehmend Regen, ein trauriges Monatsende.

Die restlichen Klimawerte, in Klammern die langjährigen Mittelwerte: 128 (107) Liter pro Quadratmeter Niederschlag, 41 (46) Stunden Sonnenschein.
An 27 (27) Tagen gab es Frost, davon waren 13 (17) Eistage mit einem Maximum von unter 0°C. Relative Luftfeuchte 95 (92) Prozent, Bedeckungsgrad 84 (80) Prozent. Gewitter trat keines im näheren Umkreis auf, an 26 (25) Tagen Nebel oder Nebeltreiben. 19 (18) Tage mit Böen der Windstärke sechs, die Windstärke acht wurde an 6 (6) Tagen erreicht.

Und der Februar? Kein nachhaltiger Winter zumindest bis zur Monatsmitte in Sicht, kurze weiße Episoden wird es aber in den höheren Lagen geben.