Witterungsrückblick Dezember 2015

Das Weihnachtstauwetter fiel aus

von Rüdiger Manig, Wetterstation Neuhaus/Rwg.

Das Weihnachtstauwetter fiel aus

Das es nun doch wieder ein eher zu milder anstatt zu kalter Dezember werden würde – das war nach dem bisherigen Witterungsverlauf zwar nicht einhundertprozentig sicher jedoch wahrscheinlicher. Nur dass nach dem bereits so milden Rekordnovember der Dezember dies noch einmal alles toppen würde – das war selbst in den schlimmsten Ahnungen nicht vorher zu sehen.

Und da tröstet es auch nicht dass in diesem Jahr das Weihnachtstauwetter ausgefallen ist – es gab eben einfach nichts zum Auftauen. Vom Temperaturniveau her spielte der Dezember wenn man so will in einer anderen Liga.
Die Monatsmitteltemperatur betrug 3,4°C – ein Plus von 6,2°C gegenüber dem klimatologischen Mittelwert! Der bisher wärmste Dezember seit 1940 hier oben im Schiefergebirge hatte ein Temperaturmittel von 0,9°C – das war im Jahr 2006. Und –würde man den Dezember in der „Novemberliga“ mitspielen lassen – selbst da wäre er mit Platz 8 noch in der Spitzengruppe vertreten.

Er begann schon sehr mild, es stellt sich eine typische Westwetterlage ein. Nachdem Wellentief OSCAR zum Monatswechsel die letzten Schneereste hat verschwinden lassen wurden an der Nordseite der Hochdruckzone über Südeuropa immer wieder subtropische Luftmassen mit eingelagerten, jedoch schwachen Tiefausläufern in unsere Region transportiert.
Und es gab sogar ein weiteres Schnee-Intermezzo – welches jedoch noch kläglicher ausfiel als die beiden zuvor hergehenden. Zwischen Hoch YVONNE und der nachfolgenden ZITA schmuggelte sich in der Nacht vom 11. zum 12. Dezember die Höhenkaltfront des Tiefs VANECHKA nach Mitteleuropa – maximal 5 cm Neuschnee, welcher am Morgen dann bereits wieder auf 3 cm zusammengepappt war. So niedlich wie der Name des Tiefs so letztlich auch seine Kaltfront. Das war das Schneemaximum des Dezembers 2015.
Und die extrem milde Südwestströmung setzte sich fort und es gab für einzelne Tage neue Rekordwerte.
Weniger bei den Tagesmaxima – hier gab es nur 8.12. mit 9,9°C und am 20.12. mit 8,5°C in südosteuropäischer Subtropikluft neue Höchstwerte. Aber allein an neun Tagen gab es neue Höchstwerte bei den Tagesminima, bemerkenswert vor allem der Zeitraum vom 17. bis zum Morgen des 20.Dezember – hier sank die Temperatur nicht mehr unter 5°C!
Dank einer unablässigen Zufuhr subtropischer Luftmassen, welche überhaupt keine Zeit zur Auskühlung bekamen.
Die durchschnittliche Temperatur vom 17. bis zum 26. Dezember 5,6°C – dass sind 8,5°C über dem Klimamittelwert! Mit einer Mitteltemperatur von 7,3°C der 17. der mildeste Tag des Monats, das absolute Maximum folgte etwas später.
Bis auf ein paar Böen der Windstärke 8 am 21./22.12. verlief es wettertechnisch dagegen alles eher ruhig ab, kaum Sonne, viel Nebel. Während es verbreitet in Deutschland ein Plus bei der Sonnenscheindauer gab - bei uns Südweststau-bedingt ein Minus von knapp 14% - nur 38,9 Stunden wurden registriert.
Sonnigste Tage der 8.Dezember mit 7,3 Stunden und zum Monatsende der 28. mit 7,0 Stunden.
Und dieser 28. brachte ebenfalls noch einen klassischen Rekord – es wurde mit 11,1°C eine neue absolute Höchsttemperatur für den Dezember gemessen, die alte Bestmarke stammte aus dem Jahre 1989 mit 10,8°C.

Das Monats- und Jahresende dann dennoch etwas frostig und sogar in Hauch von Weiß am Silvesternachmittag. Der letzte Tag des Jahres, welcher zugleich der kälteste des Dezember wurde – Minimum minus 4,3°C - begann sehr schön. Toller Sonnenaufgang, trockener und allerdings sehr kalter Südwind.
Die Wolken der heranziehenden Kaltfront waren bereits im Westen zu sehen, welche aber nur langsam heranzog. In der Höhe deutlich mildere Luft im Plusbereich und so war es eine sehr schwierige Prognose – fällt der Niederschlag nur rein als gefrierender Regen oder gibt es doch einen Anteil Schnee?
Es wurde ein Mix aus allem – gefrierender mäßiger Regen, durchsetzt von zeitweise mäßigem Schneefall und hin und wieder mischten sich auch Eiskörner darunter – gefrorene Regentropfen.
Dieser Mix letztlich ein Glücksfall – die Schneeflocken und Eiskörner machten die entstehende Glatteisdecke etwas Rauer und eben nicht so ganz tückisch glatt. Und am Ende des Jahres wenigstens ein Hauch von Winter, man wird sehr bescheiden.

So wenig Schnee im Dezember – natürlich gab es dies schon, sogar mehrmals. Zuletzt 2006, hier fielen im gesamten Monat neun Zentimeter Neuschnee, vergangenen Dezember sieben Zentimeter. Und im Dezember 1987 waren es gar nur ganze drei Zentimeter, jedoch bei deutlich tieferen Temperaturen. Und nachfolgend Mitte März dann unser absolutes Schneemaximum von 181 cm.

Für einen Dezember überhaupt sehr wenig Niederschlag vergangenen Monat, nur 61 Liter pro Quadratmeter – das sind nicht einmal 50% vom Klimamittel. Und so summiert sich die Jahressumme hier in Neuhaus auf gerade einmal 976 Liter pro Quadratmeter, ein Defizit von 180 Liter pro Quadratmeter.

Die letzten beiden Monate mit ihren Rekordtemperaturen verhalfen dem vergangenen Jahr mit einer Mitteltemperatur von 6,8°C auf Platz zwei der Rangliste seit 1940.
Nur 2014 war es mit 7,3°C bisher wärmer, im Jahr 2011 betrug das Mittel ebenfalls exakt 6,8°C.
Die restlichen Klimawerte, in Klammern die Mittelwerte: Nur 8 (26) Frosttage, nur ein (15) Eistag – das Minimum lag bisher bei 7 Tagen. Relative Luftfeuchte 96 % (94), Bedeckungsgrad 81% (84), 28 (27) Tage mit Nebel oder Nebeltreiben, 23 (19) Tage mit in Böen Windstärke sechs, an 6 (6) Tagen Böen der Windstärke acht, bei der mittleren Windgeschwindigkeit ein Plus von etwa 10 Prozent.

Wie immer ist es schwierig eine Prognose über den weiteren Verlauf des Winters abzugeben. Das Jahr beginnt ja nun erst einmal mit einer Winter-Light-Version, Dauerfrost mit etwas Schnee in den Kammlagen. Ob anhaltend – zumindest scheinen uns diese bisherigen sehr milden Luftmassen nicht mehr so entscheidend zu beeinflussen, von kurzen Episoden vielleicht einmal abgesehen.

Foto: Neujahrstag 2016 in Igelshieb