5. Dezember 2015

Witterungsrückblick November 2015

von Rüdiger Manig, DWD, Wetterwarte Neuhaus/Rwg.

Witterungsrückblick November 2015

Im Nachhinein hat es sich bestätigt – die ruhigen und bedächtigen ersten beiden Herbstmonate waren wirklich die Ruhe vor dem Sturm. Was es im September und Oktober zu wenig gab wurde nun drastisch nachgeholt – bis auf den Schnee, leider. Viel zu warm, doppelt soviel Niederschlag wie zu erwarten, überdurchschnittlich viele Sturmtage, deutlich mehr Sonnenscheinstunden.

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24 Fotos (Rüdiger Manig )

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Begonnen hatte der November genau so golden wie der Oktober, knapp 30 Stunden Sonnenschein an den ersten drei Tagen und mit einem neuen Temperaturrekord von 17,4°C am 03.November. Es war ein fantastischer Monatsbeginn.
Über unserem Raum lag oberhalb der Inversionsschicht bei etwa 800m eine subtropische Luftmasse, die Nullgradgrenze befand sich in 4000 Meter Höhe. Herrliche Fernsicht bis weit über 140 km, mit bloßem Auge konnten wir auf dem Brocken eine Rauchsäule beobachten.
Doch nicht von der Brockenbahn selbst, wahrscheinlich hatte aber Funkenflug einen Flächenbrand ausgelöst wie unser Kollege an der dortigen Wetterwarte bestätigte.
Kein Wunder bei einer Temperatur von knapp 20°C und einer Luftfeuchte von unter 5 Prozent. Dazu an diesen Tagen in den Morgenstunden immer wieder Luftspiegelungen am Fichtel- und Erzgebirge, am Harz, die Wasserkuppe – normalerweise nicht zu sehen – wurde durch optisches Anheben vollständig sichtbar.

Die anfängliche Hochdrucklage am Rand von Hoch TOMOKA mit Zentrum über der Ukraine ging über in eine nördliche Westlage, die ungewöhnlich milde Luft blieb uns erhalten. Jedoch - das Goldene verließ uns nun, linder Nebel herrschte vor, dazu leichte Niederschläge. Mit einer Tagesmitteltemperatur von 11,5°C (ebenfalls eine neue Bestmarke) wurde der 07.November mit Abstand der wärmste Tag des Monats. Und dies mit nur zwei Minuten Sonnenschein an diesem Samstag, bis in den späten Vormittag gab es dazu Nebel und Sprühregen.
In der Nacht zum Sonntag betrug die Temperatur um Mitternacht in subtropischer Luft beachtliche 12,4°C, das Tagesminimum mit 9,8°C indessen aus der vorhergehenden Nacht. Ein solch hohes Tagesminimum im November hat es zumindest in den letzten 60 Jahren nicht gegeben.
Und wenn dies in den Jahrzehnten davor aufgetreten sein sollte war es sicher gleichfalls eine Rarität.Vom Niveau her entsprechen die Minima von 8 bis 10°C in diesen Tagen etwa den mittleren Werten der zweiten Junidekade.

Die Durchschnittstemperatur der ersten Dekade betrug 9,9°C und wurde die Grundlage für den wärmsten November überhaupt. 4,6°C bedeuten ein Plus von immerhin 4,1°C gegenüber dem klimatologischen Mittelwert. Allerdings war es 1994 und 2011 mit 4,0°C nicht viel kühler, bisheriger Spitzenreiter war das Jahr 1963 mit 4,3°C.

Außergewöhnliches Ereignis am 10.November – nach dreieinhalb Monaten wurde wieder einmal eine Böe der Windstärke 9 registriert, mit der Ruhe in der Atmosphäre war es nun nach den vielen ruhigen und besinnlichen Wochen endgültig vorbei. Jedoch nicht nur die relative Flaute war passe´, bis zum Monatsende gab es mehr als ausreichend Nass von oben.
Und es gab wieder einmal die für unsere Region typischen Südwest-Stauwetterlagen, welche sich in der Niederschlagsverteilung zugleich anhand von den Wetterradarbildern immer wieder wunderbar nachvollziehen lassen. Der schon in alten klimatologischen Abhandlungen beschriebene „Sonneberger Staubezirk“ kristallisierte sich ab Mitte des Monats wieder einmal mehrfach in der Niederschlagsverteilung heraus.
Der Staubezirk umfasst etwa die Region zwischen Steinach - Meng.Häm.- Bleßberg – Siegmundsburg - Steinheid. Wir hier in Neuhaus liegen bei diesen Wetterlagen schon etwas im Lee. Aktuelles Beispiel der Zeitraum vom 14. bis 17.November, wir konnten eine Niederschlagsmenge von 52 Liter pro Quadratmeter messen, in Steinach am Vogelsberg waren es im gleichen Zeitraum 81 Liter pro Quadratmeter. Ähnlich aber nicht mit einem so krassen Unterschied die letzten beiden Monatstage, allein hier auf dem Bornhügel 70 Liter pro Quadratmeter.
Die Wassermassen am ersten Dezembertag auf den Straßen unserer Region eine logische Folge. Gab es bis zum 13.November gerade einmal 6 Liter pro Quadratmeter Regen folgten dann bis zum Monatsende noch 180 Liter hintendrein, das Doppelte der im November zu erwartenden Niederschlagsmenge. Platz 8 in der Rangliste seit 1940.

Und leider nur ein geringer Anteil kam als Schnee herunter. In der Woche vor dem ersten Lauschner Kugelmarkt wunderschöner „Deko-Schnee“ von 8 bis 9 cm, fünf Eistage am Stück und nachfolgend am 27. nochmals ein güldener Freitag mit fast acht Stunden Sonnenschein, einfach herrlich.
Kältester Tag des Monats der 28. – Temperaturmittel minus 3,1°C bei einem Minimum von minus 5,8°C. Nur – zum Wochenende kündigte sich eine Sturmserie an. War Tief MICHEL mit maximal Windstärke 8 und einigen Zentimetern Neuschnee am Samstag noch akzeptabel fiel der Sonntag nach hinten raus dann doch ins Wasser.
Bereits morgens durch Tief NILS noch sehr verkehrsberuhigender mäßiger Schneefall und Böen der Windstärke 10, mittags die maximale Schneehöhe von 20 cm, jedoch – es “pappte” bereits.
Schnell ging in tieferen Lagen der Schnee in Regen über, abends hatte er selbst die höchsten Kammlagen im Griff. Am frühsten Montag erster Blick aus dem Fenster zu den gegenüberliegenden Wiesenflächen – nur noch Schneereste.

Das zweite Winterintermezzo ebenso gescheitert wie das erste im Oktober, Wellentief OSCAR legte noch einmal mit durch Windstärke 10 befeuertem starkem Regen nach, 39 Liter pro Quadratmeter bei 5°C. Selbst in den schneesichersten Ecken waren am Montagabend nur noch Reste vorhanden.

Die restlichen Klimawerte, in Klammern die langjährigen Mittel: Frosttage 10 (26), Eistage 6 (6), relative Luftfeuchte 89% (94), Bedeckung 80% (84), Tage mit Nebel 24 (25), Tage mit in Böen Windstärke sechs 21 (16), Tage mit Böen der Windstärke acht 9 (4), die mittlere Windgeschwindigkeit des gesamten Monats 25% über dem Mittelwert. Eine Sonnenscheindauer von 65,2 Stunden bedeutet ein Plus von 34%, an elf Tagen keine Minute, an fünf weiteren nur einige wenige.

In den Jahren seit 1987 gab es nur einmal – 2009 – nach einem so deutlich zu warmen November einen richtig krachigen Winter. Allerdings waren in jenem Jahr September und Oktober deutlich zu warm ausgefallen. Ansonsten – wie 1994, 2003 und 2011 gab es nachfolgend nur einen kurzen, strengeren Hochwinter oder er fiel fast gänzlich aus wie 2006 oder 2014.

Einige Bauernregeln beziehen sich ja auf den 11.November, den “Martini” –“… ist dieser feucht und lind wird der Winter ein Kind..” und “.. wenn an Martini Nebel sind wird der Winter ein Kind..”
Martini 2015: keine Minute Sonnenschein, Nebel, durchschnittliche Luftfeuchte 99% bei einem Temperaturmittel von 7,6°C. Wenn das nicht charakteristisch “lind” ist…