Witterungsrückblick Oktober 2015

Nur ein erster winterlicher Schreckschuss

von Rüdiger Manig, DWD, Wetterwarte Neuhaus/Rwg.

Nur ein erster winterlicher Schreckschuss

Zahlreiche Gemeinsamkeiten zwischen dem ersten und dem zweiten Herbstmonat und vieles an Text könnte ich einfach wiederholen. Ein ruhiger, unauffälliger Monat und erneut war es fast von allem zu wenig: Zu wenig Wärme, zu wenig Niederschlag, zu wenig Sonne, kaum Wind – nur gegenüber dem September gab es eindeutig mehr Pilze.

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24 Fotos (Rüdiger Manig )

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Der Monatsbeginn ja noch golden und mit den maximal möglichen 11,1 Stunden Sonnenschein an den ersten beiden Tagen und dem wärmsten Tag des Monats am Tag der Deutschen Einheit – Maximum 16,3°C und ein Tagesmittel von 11,5°C.
Hoffnung auf einen goldenen Oktober – welche sich schnell erledigte. Ab dem 4.Oktober fast täglich Nebel, Ausnahme nur der 11./12.Oktober und der letzte Monatstag. Tristesse pur, vom 6. bis zum 23.Oktober mit Ausnahme des oben erwähnten 11./12. nur wenige Minuten Sonnenschein.
Jedoch gab es durch die dieses Jahr extrem schöne und intensive Laubverfärbung nicht diese graue, trübsinnige Tristesse wie man sie meist aus dem November kennt.
Selbst bei völlig bedecktem Himmel leuchteten die Farben fantastisch und kam doch einmal ein Sonnenstrahl hindurch schien der Laubwald regelrecht zu brennen.

Am Morgen des 12.Oktober mit minus 3,0°C das Monatsminimum bei uns auf dem Bornhügel, in Steinach am Vogelsberg minus 5,5°C. Hoch OLDENBURGIA hatte für kurze Zeit kontinentale Kaltluft nach Deutschland transportiert – zwei sonnige Tage zum Auftanken. 

Nächste Gemeinsamkeit mit dem September – es gab exakt einen meteorologischen Aufreger. Tief STEFAN mit Kern über dem Mittelmeer ließ von Süden her warme, subtropische Luft auf die noch bei uns am Boden liegende Kaltluft aufgleiten – es gab Schneefall bis ins Flachland, selbst in Leipzig gab es am 14.Oktober noch einen dünne, geschlossene Schneedecke.
In Neuhaus maximal 6 bis 7 cm, in Richtung Nord bis Ost waren es sogar in tieferen Lagen noch einige Zentimeter mehr.
Eine dünne Schneedecke im Oktober ist für unsere Verhältnisse nun nichts Besonderes, nur gab es bisher zu so einem frühen Zeitpunkt nicht eine Höhe von 6 cm. Aber hier geht es nur um wenige Tage und Zentimeter, letztlich nichts Außergewöhnliches – hier oben.

Und im Nachhinein wirkte es eher wie ein Schreckschuss zum Reifenwechsel und auch irgendwie deplatziert – denn es war wie eine Eintagsfliege über zwei Tage, der Winter setzte in keinster Weise nach.
Natürlich kam gleich die Frage auf: Zeitiger Schnee – wie wird der Winter?
In der Mehrzahl eher zu mild als zu kalt, hinzu kommt dass es dieses Jahr zugleich eine besondere Konstellation gibt.
Die Folge „ September zu kühl mit ebenfalls zu kühlem Oktober“ gab es bisher in den letzten 30 Jahren nur einmal – 2007.
Und es gab ebenfalls im Oktober eine erste dünne Schneedecke, allerdings erst in der letzten Dekade. Markanter Unterschied zu diesem Jahr – im Laufe des Monats wurde es immer kälter, in diesem Jahr wurde es hingen sehr mild.
2007 folgte jedenfalls ein extrem warmer Winter, schon Mitte November gab es mit 46cm die maximale Schneehöhe des gesamten Winters, von dann an ging es nur noch bergab.
Auf jeden Fall eine spannende Ausgangslage, und ein etwas zu milder Winter besagt ja in unserer Höhenlage noch nicht dass er schneearm sein muss.

Nach zwei so besinnlichen Monaten – ist es die Ruhe vor dem Sturm? 
Herbststürme – völlige Fehlanzeige bisher. Im September an einem Tag eine Böe der Windstärke 8 – selbst diese gab es im Oktober nicht. Am 24.Oktober eine Böe mit Windstärke 7, das war es. Das Positive dabei – die wunderbare Laubverfärbung blieb uns sehr lange erhalten.

Was gab es sonst noch Besonderes im Oktober? Einen Eistag am 14. des Monats – und diese sind im Oktober sehr selten. Interessant – von 1987 bis 2001 gab es nur einen einzigen Eistag zu verzeichnen, danach bis zum diesjährigen immerhin 8 Tage mit einem Maximum kleiner 0°C.

Anders bei den Tagen mit Gewitter, diese sind ja im Oktober oft an entsprechende kräftige Schauerlagen aus West/Nordwest gebunden. Von 1987 bis 2001 konnten wir immerhin an sieben Tagen diese beobachten, danach nur noch zwei, das letzte 2006.

Die restlichen Klimawerte, in Klammern die langjährigen Mittel bzw. die Abweichung: Temperatur 5,2°C (6,2°C), Niederschlag 49,2 Liter pro Quadratmeter (nur 56%), Sonne 80,0 Stunden (nur 70%), relative Luftfeuchte 92% (90), Bedeckungsgrad 71% (70), Tage mit Nebel 25 (23), Frosttage 5 (6), Tage mit Böen der Windstärke sechs 2 (14!) und die mittlere Windgeschwindigkeit lag 25% unter dem Mittelwert.