Witterungsrückblick September 2015

Tief JONAS beendet den Sommer auf den Punkt

von Rüdiger Manig, DWD, Wetterwarte Neuhaus/Rwg.

Tief JONAS beendet den Sommer auf den Punkt

Akkurat zum meteorologischen Herbstbeginn beendete Tief JONAS am späten Nachmittag des 01.September die Sommersaison, ein tolles Timing. Zwar schnellte die Temperatur noch einmal auf hochsommerliche 24,4°C – der Absturz war dann allerdings sehr nachhaltig.

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Ein Monat in dem es von allem zu wenig gab – Wärme, Sonne, Niederschlag, Pilze…
Jedoch – es war nach zwölf Monaten wieder einmal ein Monat mit einem „Minus“ hinsichtlich der Temperaturabweichung.
Nicht arg, mit einer Durchschnittstemperatur von 9,3°C fiel der erste Herbstmonat nur um 0,9°C zu kühl aus, im August 2014 betrug die Abweichung nur 0,6°C.
Nach einem wirklich mal richtig zu kalt ausgefallenen Monat muss man weiter zurück blicken – an den März 2013 können sich sicher noch viele erinnern, letzte Märzdekade eine Mitteltemperatur von minus 6,2°C und anschließend noch Dauerfrost bis zum 06.April.
Der September 2015 – ein ruhiger, unauffälliger Monat welcher den vergangenen fantastischen Sommer vielleicht zu abrupt beendete und deswegen schon rein subjektiv „viel zu kalt“ schien.
Ein Tropentag noch am 31.August, 30 Stunden später am Morgen des 02.September auf dem Bornhügel nur noch 6,6°C, unmittelbar auf der Grasoberfläche 0,0°C. In Steinach am Vogelsberg Lufttemperatur 1,7°C.

Zwischen Hoch LAJANA im Westen und Tief KALLE im Osten wurde vor allem am 
05. und 06. Maritime Arktikluft zu uns gelenkt, die Höchsttemperatur blieb unter 10°C.
LAJANA zog dann langsam über Skandinavien nach Osten, zwischen ihr und dem im Westen sich neu gebildetem Tief LEO wurde am Wochenende 12./13. September noch einmal subtropische Luft in unsere Region verfrachtet.
Ein letztes spätsommerliches Aufbäumen, mit einem Maximum von 19,9°C wurde noch einmal an der Schwelle zum Bergsommertag gekratzt.
Nach dem 17.September stieg die Temperatur bis Monatsende nicht mehr über 15°C. An diesem 17. wettertechnisch gesehen wohl der einzige kleine Aufreger des Monats – die Kaltfront des ex-Hurrikans HENRI überquerte uns.
Was aber in Frankreich noch zu Böen bis 135 Kilometer pro Stunde und laut Presseberichten auch einzelnen Tornados gereicht hatte zog bei uns mit einer maximalen Geschwindigkeit von 68 Kilometer pro Stunde durch den Windmesser.
Das war Windstärke 8, der einzigste Tag im September wo diese erreicht wurde.
Danach wieder ruhig und leicht unterkühlt bis zum Monatsende, der ersehnte Altweibersommer war es somit auf keinen Fall.
Erst in den letzten drei Monatstagen konnte man davon sprechen.

Hochdruck zum Monatsabschluss: Am 29.September stieg der Luftdruck hier oben bis auf 936 hPa, auf Meeresspiegelhöhe gerechnet 1036,7hPa. Ein für September ungewöhnlich hoher Wert und vielleicht ein neuer Höchstwert.
Das überaus starke Hoch NETTI mit Zentrum über Südschweden/Dänemark brachte viel Sonne und trockenkalte Luft. Vereinzelt hatte es gefrorenen Tau schon zuvor gegeben – aber am 28. der erste Reif der Saison.
Über unbewachsenem Erdboden lag die Temperatur noch einige Zehntel über Null, direkt auf der Wiese sank sie aber auf minus 2,6°C.
Kältester Tag trotz 9,5 Stunden Sonnenschein der letzte Septembertag, Mitteltemperatur 5,8°C mit einem Minimum von 2,7°C. In Steinach am Vogelsberg dagegen der erste Luftfrost – minus 0,3°C!
Sehr viel Sonne zum Monatsende und im gesamten September gab es keinen Tag ohne Sonnenschein – allerdings schien sie nur an neun Tagen länger als 5 Stunden, an sechs Tagen waren es immer nur ein paar Minuten.
Monatssumme somit nur 111 Stunden, dies entspricht 80% des klimatologischen Mittelwertes.
Wie anfangs erwähnt der Niederschlag ebenfalls im Minus – 59 Liter pro Quadratmeter bedeuten ein Minus von 22 Prozent und konnten das übers Jahr aufgetretene Niederschlagsdefizit nur noch vergrößern. Ende September beträgt dieses knapp 20 Prozent.
In der Rangfolge seit 1940 belegt der diesjährige September sowohl bei der Temperatur (Nummer 50) als auch beim Niederschlag (Nummer 53) nur Plätze im tiefen, unteren Mittelfeld.

Alle restlichen Klimawerte dem gelassen und ruhigen Verlauf des ersten Herbstmonat entsprechend im ganz normalen Bereich (in Klammern die langjährigen Mittelwerte):
Relative Luftfeuchte 87% (85), Bedeckungsgrad 68% (68), Tage mit Nebel oder Nebeltreiben 17 (17), Tage mit Gewitter 3 (2), an 9 (10) Tagen gab es Böen der Windstärke sechs.