Witterungsrückblick August 2015

Trotz Tief EBERHARD endet der August noch einmal tropisch

von Rüdiger Manig, DWD, Wetterwarte Neuhaus/Rwg.

Trotz Tief EBERHARD endet der August noch einmal tropisch

Es war in unserer Region wieder einmal ein fantastischer Sommer für die schönsten Seiten einer Chronik. Lediglich der legendäre 2003er wurde nicht übertroffen, ob es für Platz zwei seit Beginn der Beobachtungen reicht ist ein wenig eine Ansichtssache.

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12 Fotos (Rüdiger Manig )

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Der Sommer 2015 belegt mit einer Mitteltemperatur von 15,5°C im Ranking seit 1940 Platz zwei seit 1940 – knapp vor 1994 (15,3°C) und 1976 (15,0°C).
Im Vergleich der Niederschlagsmengen war es 1976 mit nur 140 Litern pro Quadratmeter eindeutig am trockensten, 1994 257 Liter pro Quadratmeter und in diesem Jahr 271.

Da es für Neuhaus aus dem Jahr 1976 keine Messwerte der Sonnenscheindauer gibt können wir nur auf die 14 km entfernte Wetterstation Sonneberg-Neufang zurückgreifen.
Dort oben wurden 778 Stunden registriert, in diesem Jahr in Neuhaus 678 und im Sommer 1994 649 Stunden. 
Resümee: Obwohl um fünf Zehntel wärmer sollte man doch dem Sommer 1976 Platz zwei zugestehen – da deutlich sonnenscheinreicher und trockener, dem diesjährigen Sommer bleibt dennoch ein Platz auf dem Treppchen.

Der August war mit einer Mitteltemperatur von 17,7°C (Abweichung plus 4,5°C!) der zweitwärmste August überhaupt – nach 2003 mit 18,5°C.
Begonnen hatte er mit einer weiteren und dritten Hitzewelle dieses Sommers.
Vor allem Hoch FINCHEN bescherte uns allein bis zum 15. August Bergsommertage (Maximum > 20°C) ohne Unterbrechung, davon wurde an 10 Tagen die 25°C-Marke überboten.
Höhepunkt dieser Hitzewelle der 7.August. Der am 5.Juli frisch aufgestellte Allzeit-Temperaturrekord wurde in kontinentaler Tropikluft nochmals um ein Zehntel überboten – die neue Bestmarke liegt nun bei 32,4°C.
Vielleicht hätten sogar die 33°C fallen können, aber im Laufe des Tages kam von Norden peu à peu etwas nicht ganz so heiße Luft nach Süden voran. Zu einem Beobachtungstermin am Nachmittag hatten Schwarzburg und Neuhaus mit 31,6°C haargenau die gleiche Temperatur – trotz eines Höhenunterschiedes von 568 Meter.
Nach Erreichen des Maximums drehte der Wind von Südwest über Nord auf Ost, der Taupunkt stieg schnell von 8 auf 16°C, für eine Stunde dichtere Bewölkung – da waren die 33° nicht mehr zu knacken.

In der ersten Augusthälfte keinerlei markante oder gar unwetterträchtige Wetterereignisse in unserer Region.
An vier Tagen konnten wir zwar Gewitter beobachten, jedoch nicht im näheren Umfeld und mir ist nur vom 11. August ein heftigeres Niederschlagsereignis im Zusammenhang mit einem Gewitter bekannt – einige Kilometer südwestlich von uns und vor allem in einem Waldgebiet.

Tief EBERHARD beendete dann – zumindest schien es so - akkurat zur Stännicha Kerwa den Sommer und die Trockenheit. Trockenheit ja, Sommer nicht ganz.
Es ist ja wie eine kleine Regel – mit der Stännicha Kerwa endet der Sommer. Rein statistisch lässt sich das zumindest vom Temperaturniveau her nicht belegen, einen nachhaltigeren und rascheren Temperaturrückgang kann man erst ab dem 25. August erkennen.
Oft ist nach den Hundstagen und dem 13.August die Wetterlage nicht mehr so stabil, die Niederschlagswahrscheinlichkeit steigt zwar nicht markant, dennoch erkennbar an. So auch in diesem Jahr – und das Monatsende war dann noch einmal ein Schmankerl für die Wetterchronik.

Zunächst jedoch fünf Tage Sommerpause, nach den 32 Litern pro Quadratmeter zum Kerwä-Sonntag vier Tage ohne Sonnenschein, Nebel, kältester Tag des Monats der 18.August mit einer Mitteltemperatur von nur 10,6°C, absolutes Monatsminimum am folgenden Morgen mit 8,1°C.

Der Sommer gab sich aber noch nicht geschlagen, Hoch ISABEL mit Zentrum über Finnland brachte ihn zurück.
Ab dem 21. August wieder sommerliche Temperaturen, nur unterbrochen von einem Schwall subpolarer Meeresluft am 25. August (Minimum 8,8°C) und einer Kaltfront erster Art bzw. auch Anakaltfront genannt in der Nacht vom 27. zum 28.August.
Bei dieser Art Kaltfront kommt die Kaltluft am Boden schneller voran als in der Höhe, die Warmluft gleitet dabei auf – der Niederschlag beginnt erst hinter der eigentlichen Front.
In Neuhaus Durchgang der Front zwischen 23 und 24 Uhr, Windsprung von Südwest auf Ost, der Niederschlag begann erst vier Stunden später.

Dann das Ende des August und des Sommers – einfach fantastisch. Ein besseres Timing konnte es nicht geben.
Nun sind Tropennächte wie ich sie schon im Julirückblick erwähnte nun nicht unbedingt der Standard im Schiefergebirge – und rein vom Hören schließen sich die Wörter „Neuhaus“ und „Tropen“ eigentlich sowieso generell aus.
Bisher konnte ich seit 1987 neun Tropennächte für Neuhaus nachweisen, alle ab dem Jahr 2000, davor Fehlanzeige. Ich möchte nicht ausschließen einen übersehen zu haben, denn in den Klimatabellen wird ja nur das Tagesminimum eingetragen und nicht das morgendliche.
Am Morgen des 31.August eine historische „Tiefst“temperatur von 20,5°C – unglaublich. Und noch bemerkenswerter – bis Null Uhr in der folgenden Nacht sank die Temperatur ebenfalls nicht unter die 20,5°C !
Als Vergleich – das bisherige höchste Minimum für den 31.August betrug 12,8°C. Hier kann man nun wahrlich vom „Ausradieren“ einer alten Bestmarke sprechen. Maximum an diesem letzten Sommertag noch einmal 28,6°C, die alte Bestmarke stand bei 25,0°C.

Trotz der Durststrecke nach Monatsmitte eine Sonnenscheindauer von 243 Stunden, ein Plus von 35 Prozent gegenüber dem klimatologischen Mittelwert.
Dem gegenüber nur 78 Liter pro Quadratmeter Niederschlag und davon allein 40 Prozent am Kerwä-Sonntag. Im Vergleich mit der mittleren Niederschlagsmenge der Jahre 1961-1990 ein Minus von 13 Prozent.

Die restlichen Klimawerte, in Klammern die langjährigen Mittel:
Bergsommertage 23 (13), Tage mit Gewitter 4 (5-6), Tage mit Nebel 14 (12), Tage mit in Böen Windstärke sechs 6 (10), mit Stärke acht keiner (einer), relative Luftfeuchte 72 % (77) und der Bedeckungsgrad 45% (61).

Und nach den Prognosekarten vom heutigen 6.September - auch wenn sich da nicht alle Modelle einig sind - scheint es nun auch noch einen annehmbaren und schönen Altweibersommer zu geben. Erste Flocken wie zum Beispiel am 12.September 1996 noch nicht in Sicht…