14. Juni 2015

Witterungsrückblick April und Mai 2015

von Rüdiger Manig, DWD, Wetterwarte Neuhaus/Rwg.

Witterungsrückblick April und Mai 2015

Nach einem bis auf die etwas frostigen und weißen Ostertage wunderschönem und geruhsamen frühlingshaftem April folgte ein fast ebenso wunderbarer und beschaulicher Mai.

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26 Fotos (Rüdiger Manig )

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Trotz der 30 cm Neuschnee am Gründonnerstag und frostigen Ostern – der diesjährige April bestätigte eindrucksvoll den Trend der letzten zweieinhalb Jahrzehnte für den zweiten Frühlingsmonat.

Der April zeigt gegenüber allen anderen Monaten in allen drei wichtigsten Klimaelementen die markanteste Abweichung – stärkste Erwärmung, abnehmender Niederschlag, deutlich mehr Sonne.

In diesem Jahr eine Durchschnittstemperatur von 5,4°C – positive Abweichung plus 1,8°C, Platz 25 in Rangliste seit 1940.

Bis zum heutigen 29.April nur 36 Liter pro Quadratmeter Niederschlag entsprechen gerade einmal 40 Prozent vom klimatologischen Mittelwert.
Je nach der Niederschlagshöhe am letzten Apriltag wird es nur zwischen 14 und 17 trockenere Aprilmonate seit 1940 gegeben haben.

Jedoch knapp über 200 Stunden Sonnenschein – ein plus von immerhin 50 Prozent.
Der Gründonnerstag im Mittel kältester Tag des Monats mit minus 1,7°C, tiefste Temperatur allerdings am Ostersonntag mit minus 4,1°C
Wärmster Tag der 15.April mit einer Mitteltemperatur von 13,4°C (Juliniveau!) und einem Tagesmaximum von 18,5°C.
Kein Tag ohne Sonnenschein, nur 12 Tage mit Nebel oder Nebeltreiben, zwei Gewitter in der Nacht vom 16. zum 17.April.

Und an noch keinem Apriltag seit 1987 konnte eine so hohe Neuschneesumme von 30cm gemessen werden, der bisherige Höchstwert lag bei 12 cm.


Keinerlei heftige Wetterkapriolen in unserer Region, in Anführungszeichen aufregenster Tag des Monats war der 9.Mai – im Vorfeld der Kaltfront des sich von Wales nach Jütland verlagernden Tiefs ANDREAS gab es zwei leichte Gewitter mit etwas Graupel, am Abend bei Durchgang ein weiteres sowie eine Böe der Windstärke 8 – die einzige dieser Größenordnung im Mai.
Was mich selbst jedoch am meisten vom Witterungsverlauf her freute – nach vielen Jahren gab es in diesem keinen so markanten Temperatureinbruch dass wie sonst durch einen starken Nachtfrost wieder viele Pflanzen um zwei, drei Wochen zurück geworfen wurden oder ganz erfroren waren.
Schon lange nicht mehr waren zum Beispiel an den Rotbuchen um diese Zeit so lange, frische Triebe zu beobachten.
Natürlich gab es in den Tallagen mehrmals Nachtfrost – den letzten am Vogelsberg in Steinach zum Beispiel am Morgen des 22. mit minus 1,0°C.
Das Minimum trat jedoch erst kurz nach Sonnenaufgang ein und zuvor hatte starker Tau für eine entsprechende Schutzhülle gesorgt. Minimum an der Wetterwarte zu diesem Zeitpunkt plus 2,7°C, über unbewachsenem Erdboden allerdings minus 1,7°C, direkt auf der Grasdecke sogar minus 5,6°C.
Kältester Tag im Mai gleich der Erste, ein Tagesmittel von nur 4,8°C mit einer Tiefsttemperatur von 1,0°C. Doch wirklich zu kalte Tage waren eher die Ausnahme und dann in Richtung Monatsende, die dritte Maidekade lag um 1,0 und 1,6°C tiefer als die beiden vorangegangenen.
Wärmster Tag bei einer Fernsicht bis zu 130 km der 12.Mai, mit 22,6°C Maximum der erste Bergsommertag der Saison, Tagesmitteltemperatur 15,5°C.
Eine scharf ausgeprägte und sich sehr schnell verlagernde Kaltfront beendete aber bereits am frühen Abend diese kurze sommerliche Periode, begleitet von einem weiteren kurzen Gewitter mit geringem Niederschlag und einer Böe der Windstärke 7.
Am folgenden Mittwoch nur noch ein Maximum von 15,7°C, jedoch wurde dieser Tag mit einer Sonnenscheindauer von 13,5 Stunden Spitzenreiter in dieser Kategorie.
Da bis auf den Januar jeder Monat ein Plus bei der Sonnenscheindauer zu verzeichnen hatte ergibt sich bis Ende Mai bereits ein Vorsprung von 24%. Im Mai eine Summe von 195,4 Stunden ( 5% über dem Mittelwert) und damit 21 Stunden weniger als im April.
Natürlich fehlte der Regen, einem zu trockenen April schloss sich ein noch trockenerer Mai an.
Es fielen nur 23,6 Liter pro Quadratmeter Regen, ein Viertel des langjährigen Klimamittels.
Im April war es wenigstens noch die doppelte Menge gewesen. Und da der Niederschlag auf viele Tage mit entsprechend kleinen Portionen verteilt war wurde der Boden bis auf die 8,6 Liter pro Quadratmeter am 3.Mai nie richtig durchfeuchtet.
Seit Jahresanfang ergibt sich trotz eines niederschlagsreichen Januars und März bereits ein Defizit von 22%.
Den etwas ergiebigeren Regen am ersten Tag des Juni kann man somit schon als kleinen Segen empfinden.
Seit 1940 gab es nur zwei Maimonate die noch niederschlagsärmer ausfielen – 2008 und 1990.

Am Ende des Monats zeigte sich anhand der phänologischen Beobachtungen dass am Ende des Frühjahrs die zeitliche Entwicklung der Pflanzen etwa dem langjährigen Mittel entspricht, zum Beispiel anhand des Beginns der Blüte von Eberesche und Zweigriffligen Weißdorn.

Monatsmitteltemperatur des vergangenen Monat 9,4°C, Abweichung plus 0,9°C und in der Rangliste seit 1940 ein Platz fast haargenau im Mittelfeld.

Die übrigen Klimawerte mit in Klammern langjährigen Mittelwerten:
Relative Luftfeuchte 71% (75), Bedeckungsgrad 66% (65), nur an 5 (!) Tagen Nebel oder Nebeltreiben (an 14 Tagen könnte man dies erwarten), nur zwei (5) Gewittertage, Böen der Windstärke sechs an 14 Tagen (11), der Windstärke acht an einem (ein bis zwei).