Witterungsrückblick Januar 2015

Winterferien gerettet

von Rüdiger Manig, DWD, Wetterwarte Neuhaus/Rwg.

Winterferien gerettet

Das neue Jahr begann neblig-trüb und leise, allerdings war es damit sehr schnell vorbei und der zweite Wintermonat gab eine äußerst abwechslungsreiche Vorstellung.

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29 Fotos (Rüdiger Manig )

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Wie schon im Dezember dominierte die erste Monatshälfte im Großen und Ganzen eine Westwindwetterlage mit entsprechenden Ausschlägen nach oben und unten.
Bereits am 02.Januar das erste krasse Ereignis – bei Windstärke 8-9 und minus 2°C mäßiger Regen, innerhalb kürzester Zeit verwandelte sich der Wald in ein gläsernes Glockenspiel – fast wie im Märchen. Verursacht von der vom Boden abgehobenen Okklusionsfront des Tiefs LINA, welche in höheren Luftschichten maritime Subtropikluft im Gepäck hat. „Okklusionsfront“ – vereinigte Kalt- und Warmfront. Nachfolgend für einige Tage an der Nordostflanke von Hoch ANTONIA Winddrehung auf NW und am 05. und 06. zwei sehr schöne Tage mit viel Sonnenschein.
Dazu eine bescheidene Schneehöhe von 21 cm – welche dennoch zum Langlauf ausreichte und genutzt werden musste.
Tiefsttemperatur am Morgen des 6.Januar minus 6,8°C – fast das Monatsminimum, nur am 24. wurde es noch drei Zehntel kälter.
Ab dem 08. nahm das Wetter schließlich wieder volle Fahrt auf, in rascher Folge überquerten uns die Ausläufer der Sturmtiefs DANIEL, ELON und FELIX. Und jeder hatte seine Hausmarke - DANIEL brachte mit 22 Litern pro Quadratmeter eine erhebliche Regenmenge und ließ die bescheidene Schneedecke arg schrumpfen.
ELON brachte mit einer Spitzenböe von 27,2 m/s die höchste Windspitze seit Dezember 2011 – Sturmtief JOACHIM brachte da exakt die gleiche Windstärke. FELIX im Schiefergebirge nicht ganz so stürmisch, „nur 24,3 m/s, in seinem breitem Warmsektor jedoch flutete mit Windstärke 8 sehr milde maritime Tropikluft nach Mitteleuropa.
Maximum auf dem Bornhügel 9,1°C – und somit einer neuer Rekord für die erste Januardekade. In den frühen Abendstunden wurde mit Durchgang der Kaltfront und Temperaturrückgang auf 1°C das Gastspiel dieser Luftmasse jedoch schnell beendet. Die Schneedecke wurde freilich an diesem Tag bis auf nur noch einige spärliche Reste regelrecht verdampft…
Am 13.Januar mit 5,5 Stunden neben dem 05. das zweite Sonnen-Highlight des Monats – dazu ein Maximum von 6,5°C und einer Luftfeuchte von unter 50%. Dabei eine Fernsicht bis zu 150 km, wunderschöne Altocumulus lenticularis („Föhnfische“)– und natürlich Böen der Windstärke 8. Bevor es sich dann für einige Tage eine ruhigere und windschwache Wetterlage einstellte – vom 17. bis 24. keine (!) Windstärke 6 – konnten wir am Abend des 14.Januar nach langer Zeit wieder einmal ein Wintergewitter beobachten.
Seit 2004 gab es diese nur noch an 13 Tagen – im davor liegenden Zeitraum von 1987 bis 2003 jedoch an 53 Tagen!
Der 24. Januar wurde bei fast durchgängigem Nebeltreiben der kälteste Tag des Monats – Mitteltemperatur minus 5,0°C bei einem Minimum von minus 7,1°C.

Dann brach der Januar zum Endspurt und zur Rettung der Winterferien auf. Am 26.Januar tauchte auf der Wetterkarte zum ersten Mal nahe Labrador der Orkanwirbel MISCHKA auf. Bis zum ersten Ferienwochenende weitete er sich unter erheblicher Ausdehung – nun aber aufgespaltet in die drei kleinere Tiefs MISCHKA I bis III - nach Mitteleuropa aus und nahm letztlich fast ganz Europa in Beschlag.
Die nun nicht allzu häufige Neuschneemenge von beachtlichen 30 Zentimetern vom Donnerstag zum Freitag verdanken wir MISCHKA II – und somit die Rettung der Winterferien. Perfektes Timing.
Die im letzten Witterungsbericht erwähnte hohe Wahrscheinlichkeit einer Einwinterung nach Monatsmitte lässt sich anhand unserer Beobachtungen seit 1987 sehr gut belegen: Das Vorhandensein einer Schneedecke von mindestens 20cm erhöht sich von 46% am 17.Januar auf 71% am 28.Januar.
Und dazu nebenbei und vielleicht nicht erwartet: Gegenüber dem Zeitraum 1987-1999 erhöhte sich die diese Wahrscheinlichkeit von 2000- 2014 von 57 auf 79%! Wäre sicher eine überlegenswerte Sache könnte man bei der Terminvergabe von Wintersportereignissen auf solche Statistiken Rücksicht nehmen. Und sich somit zumindest hin und wieder zusätzliche Kämpfe ersparen.
Am Morgen des 30.Januar eine mittlere Schneehöhe von 60cm, welche sich durch weitere leichte Schneefälle über das gesamte erste Ferienwochenende weiter auf diesem Niveau stabilisierte.
Untern Strich jedoch wieder ein viel zu warmer Januar, die Mitteltemperatur von minus 1,5°C bedeutet eine Abweichung von plus 2,2°C, Platz 14 in der Rangliste seit 1940. Sonnenschein war rar, nur 17,3 Stunden (37%), an 22 Tagen gab es diesen überhaupt nicht, an vier Tagen wenigstens länger als eine Stunde. Dagegen ausreichend Niederschlag, 162 Liter pro Quadratmeter – ein Plus von 51%, an nur zwei Tagen war es völlig niederschlagsfrei.

Die restlichen Klimawerte, in Klammern die langjährigen Mittelwerte: Frosttage 28 (27), Eistage 21 (17), Tage mit Nebel/-treiben 27 (26), relative Luftfeuchte 96% (90), Bedeckungsgrad 91% (81), Tage mit Böen der Windstärke sechs 23 (18) und der Windstärke acht 10 (6).

Nach den Prognosekarten vom heutigen 01.Februar sieht der letzte offizielle Wintermonat aus dieser Sicht recht optimistisch aus, eine kleine Hochdrucklage mit etwas mehr Sonne scheint auch im Bereich des Möglichen zu sein – leider erst nach den Winterferien.