25. November 2014

Witterungsrückblick Oktober 2014

von Rüdiger Manig, DWD, Wetterwarte Neuhaus/Rwg.

Witterungsrückblick Oktober 2014

Viel Aufregendes gib es wettertechnisch nicht über den ersten Herbstmonat zu berichten, da gab es bei der Bahn eindeutig mehr Wirbel.

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13 Fotos (Rüdiger Manig)

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In der Atmosphäre sorgte in unserer Region lediglich Ex-Hurrikan GONZALO für zwei Tage für etwas Schwung und Aktivität. Am Abend des 21.Oktober überquerte uns seine Kaltfrontokklusion, bei Frontdurchgang Windsprung von 210° auf 290°, Spitzenböe 21,9 Meter pro Sekunde (Windstärke 9), begleitet von einem mäßigen Regen- und Graupelschauer, Temperatur“sturz“ von 8 auf 5 °C – da haben wir schon spannendere Sachen erlebt.
Am nächsten Morgen die erste hauchdünne Schneedecke der Saison, am Nachmittag bei sich intensivierendem Niederschlag und 0,5°C knapp einen Zentimeter. Welcher bei schnell wieder auf 4°C steigender Temperatur und erneuter Windstärke 9 rasch verschwunden war.

Zuvor aber zwei äußerst milde Oktoberdekaden mit noch vereinzelt spätsommerlichen Fluidum. Zu Beginn des Monats zeigten sich die drei Hochs LUTZ, MARIO und NIKOLAI für viel Sonnenschein verantwortlich – allein volle 11 Stunden am 4. (endlich wieder mal an einem Wochenende) und einem Temperaturmaximum von 16,0°C.
Ab dem 7.Oktober blieb nur noch Hoch NIKOLAI im Osten – aber als standhafter Gegenspieler zu Sturmtief KATRIN. Besser gesagt zu einer Kette von KATRIN I-V, welche sich im Laufe bis zum 12. entwickelte und das Wetter west- bis nordwestlich von uns bestimmte.
Lange verlief quer über Mitteleuropa eine Luftmassengrenze, wir immer auf der wärmeren Seite, wenn auch nicht mehr mir so viel Sonnenschein wie zu Beginn.
Wärmster Tag des Monats in von Südwesten herangeführter subtropischer Luft der 9.Oktober – Tagesmitteltemperatur 13,9°C, Maximum 19,3°C und nachts sank die Temperatur nicht unter 10°C. Dies aber alles keine Rekorde.
Da gab es nur einen unspektakulären im vergangenen Monat – in der gesamten zweiten Dekade betrug das tiefste Minimum nur 6,9°C – so lau war es bisher seit Bestehen der Wetterwarte Mitte Oktober noch nicht gewesen. In immerhin zehn Oktobernächten sank die Temperatur nicht unter 9°C, was aber mit ex-GONZALO sofort Schnee von gestern war.
Es setzte zwar wieder sehr ruhiges Herbstwetter ein, jedoch auf einem zwei Etagen tieferem Temperaturniveau.
Die Tiefsttemperaturen der ersten beiden Dekaden reichten jetzt kaum noch zu den Höchsttemperaturen der letzten 11 Tage, nur am allerletzten Monatstag wurde noch einmal die 10°C-Marke überschritten.
Kältester Tag des Monats der 29. mit einem Mittel von 2,5°C und einem Minimum von 0,1°C. Und – selbst unten am Steinacher Vogelsberg war es auf Grund der vorherrschenden starken Bewölkung nicht kälter – exakt das gleiche Minimum.

Unterm Schlussstrich wurde es mit einem Monatsmittel von 8,8°C und einem Plus von 2,6°C der fünftwärmste Oktober im Thüringer Schiefergebirge.
Im letzten Rückblick erwähnten Jahr 2005 - und dort bis dahin vergleichbarer Witterung – betrug das Oktobermittel 8,5°C. Dies charakterisiert indessen nicht den Temperaturtrend der letzten 27 Jahre für den zweiten Herbstmonat – der Oktober war bis dato der Einzige mit negativer Abweichung – auch wenn sie nur Äußerst minimal war.

Nur 78 Stunden (69% vom Mittelwert) Sonnenschein- da gab es schon goldenere Oktober. Aber allein in Neuhaus selbst gibt es da schon erhebliche Differenzen – vor allem in der letzten Dekade.
Oft schwappte der Werratal-Nebel noch knapp über den Bornhügel und ließ uns hier oben im Trüben – während ab der Bahnhofstraße oder spätestens der Kirche Richtung Schmalenbuche strahlend blauer Himmel für bessere Stimmung sorgte.

Die Niederschlagsmengen blieben ebenfalls im überschaubarem Rahmen, im Monatsverlauf waren es 65 Liter auf den Quadratmeter (allein durch ex-GONZALO 33 Liter auf den Quadratmeter), ein Minus von 25%. An vierzehn Tagen gab es überhaupt keinen messbaren Niederschlag.
Aber eher unerheblich, die Böden sind feucht genug.
Und dazu die milden Temperaturen – noch nie habe ich mir hier oben am Rennsteig Ende (!) Oktober innerhalb relativ kurzer Zeit eine Pfifferlings-Mahlzeit zusammen suchen können, prächtige Exemplare. Schon erstaunlich.

Die restlichen Klimawerte, in Klammern die langjährigen Mittelwerte: Relative Luftfeuchte 93% (90), Bedeckungsgrad 76% (72), kein Gewitter (eins könnte man erwarten), Tage mit Nebel 29 (23), mittlere Windgeschwindigkeit 3,7 m/s (4,1), Tage mit in Böen Windstärke sechs 10 (14), mit in Böen Windstärke acht 2 durch ex-GONZALO (4), kein Frosttag – im Mittel waren es bei einer Spannbreite von 0 bis 18 Tagen sieben.

Ein durchgreifender Wintereinbruch ist nach den heutigen Prognosen immer noch nicht in Sicht – entscheidend wird aber der Zeitraum um den 17.November sein. Denn schon oft – und für unsere Region so etwas wie das mittlere Eintrittsdatum – war dies der Beginn einer nachhaltigen weißen Dekoration.