2. November 2014

Witterungsrückblick August und September 2014

von Rüdiger Manig, DWD, Wetterwarte Neuhaus/Rwg.

Witterungsrückblick August und September 2014

Urlaubsbedingt dieses Mal ein Rückblick über zwei Monate. Dennoch nicht unpassend da beide Monate viele Gemeinsamkeiten aufweisen.

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27 Fotos (Rüdiger Manig)

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Vor allem zu feucht und sonnenscheinarm, zudem zeigte das Temperaturniveau des letzten Sommer- und des ersten Herbstmonates keine allzu großen Unterschiede.
Das Temperaturmittel des August mit 12,6°C weißt gegenüber dem klimatologischen Durchschnittswert eine geringe Abweichung von minus 0,6°C, das Septembermittel von 12,2°C allerdings eine positive Abweichung von immerhin plus 2,0°C auf.
Jedoch war der Temperaturverlauf sehr unterschiedlich – vorwiegend prägten aber zumindest gemäßigt feuchtwarme Luftmassen unser Wetter.
Die erste Augustdekade mit einem Mittelwert von 16,3°C und hoher Luftfeuchte schwülwarm, die beiden weiteren mit 11°C eher mit erster Herbsttendenz und Septemberniveau, ab dem 10. August stieg die Temperatur vorerst nicht mehr über die 20 °C Marke.
Dann die beiden ersten Septemberdekaden mit einem Mittel von über 13°C wieder auf Augustniveau, es waren wieder Tagesmaxima von über 20°C (Bergsommertage) zu registrieren, wärmster Tag des September der 05. – Mittel 17,0°C und ein Maximum von 22,6°C.
Im August war es der zweite Tag des Monats mit 18,6°C Mittel und einem Maximum von 24,6°C. Die tiefste Temperatur des August hier oben am Morgen des 20. mit 5,2°C, in Steinach am Vogelsberg am 22. mit 2,5°C.
Im September wurde dort unten auch an der 0°C-Marke gekratzt – exakt 0,0°C um 7:38 Uhr am 24., zugleich betrug das Minimum in Neuhaus 3,5°C. Aber – mit minus 0,2°C der erste, minimale Bodenfrost der Saison, im Mittel der letzten 27 Jahre trat dieser gleichfalls um den 27.September ein.
Die Temperatur zur Bestimmung des Erdbodenminimums wird immer 5cm über unbewachsenem Boden gemessen – außerhalb des normalen Messprogramms messen wir diese zusätzlich noch über der angrenzenden Grasfläche.

Durch die fehlende Wärmestrahlung des Erdbodens – die Moos- und Grasschicht schirmt diese sehr stark ab – sinkt hier die Lufttemperatur um teilweise bis zu 5°C tiefer als über unbewachsenem Boden. Aus diesem Grund konnten wir schon an vielen Tagen gefrorenen Tau und sogar den ersten Reif beobachten – ohne „offiziellem“ Bodenfrost.

Markantestes Wettereignis im August hier in Neuhaus und näherer Umgebung sicher das Gewitter an Abend des 4.August. Vor der Kaltfront des Sturmtiefs SUSANNE war sehr instabile und feuchte subtropische Luft mit Taupunktwerten bis zu 17°C eingeflossen.
Schon tagsüber bildeten sich erste unwetterträchtige Gewitter, uns erwischte es im Zeitraum von 21:30 Uhr bis 22:15, 49 Liter pro Quadratmeter mit eingelagertem kleinkörnigem Hagel kamen in dieser Zeit vom Himmel.
Diese Summe ist nun nicht so außergewöhnlich – aber das unwetterträchtige Detail war hier das allein in 10 Minuten 30 Liter herabstürzten – und das war dann für manchen Kanalisationsabschnitt zu viel.

Stellenweise lagen noch bis zum nächsten Vormittag die zusammengeschwemmten Hagelreste.

Im gesamten August fiel eine Regenmenge von 169 Liter pro Quadratmeter, ein Plus von 80 Prozent. Nachdem der Juli schon annähernd niederschlagsreich ausgefallen war konnte man nun das Resultat in den Wäldern sehen – Pilze, Pilze, Pilze jeglicher Couleur... Es hat wohl dieses Jahr alles gepasst, man konnte mehr als wählerisch sein. Im ersten Herbstmonat „nur“ eine Monatssumme von 114 Liter pro Quadratmeter – aber immer noch ein Plus von 50%. Landesweit war dies nicht so, einige im Thüringer Wald und Schiefergebirge liegende Wetterstationen wie die Schmücke oder auch Schwarzburg weisen ähnliche Abweichungen auf.
Ende des Monats wurde es noch einmal richtig sommerlich, am 29. wurden die 20°C nur um zwei Zehntel verfehlt, nachts sank die Temperatur nicht unter 12°C. Am frühsten Morgen dieses Tages war nach klarer Nacht sehr starker Taubeschlag zu beobachten, die warme und sehr feuchte Luft wurde von einem leichten Südwind beharrlich an den bereits stark abgekühlten Oberflächen vorbeigeweht, kondensierte stetig und floss dann als kleine Rinnsale herunter, auf den Betongehwegplatten bildeten sich größere Pfützen - selten dies hier in so einer charakteristischen Ausprägung beobachtet.

Die mittlere relative Luftfeuchte betrug im August 82% (das Mittel liegt bei 77%), im September 90% (84%). Einige weitere Klimaelemente, zuerst immer der August und in Klammern die Vergleichswerte: Nebeltage 15 (12) und 21 (17), Tage mit Gewitter 5 (5) und 4 (1-2), Bedeckungsgrad 74% (61) und 80% (68), Tage mit in Böen Windstärke sechs 10 (9) sowie 4 (10), der Windstärke acht 1 (1) und nochmals 1 (2).

Wie oben bereits erwähnt in beiden Monaten relativ wenig Sonne und vor allem der diesjährige August zeigte sich bei allen drei Hauptklimaelementen eigentlich genau gegensätzlich seinem ausgeprägten Trend der letzten Jahre – wärmer, trockener und sonnenscheinreicher.
151 Stunden Sonnenschein bedeuten 84% der im Durchschnitt zu erwartenden, so richtig trübe Tage gab es aber kaum, an 14 Tagen waren es mehr als fünf Stunden und an nur einem einzigstem war keinerlei Strahl zu erspähen. Im September war die Verteilung dieser Tage 8 zu 6.

Altweibersommerfeeling zum Monatsende, welches sich nun auch zu Beginn des Oktobers weiter fortsetzte. Im Temperatur- oder Niederschlagsverlauf lässt sich der Altweibersommer hier oben nicht statistisch nachweisen.
Allein bei der durchschnittlichen täglichen Sonnenscheindauer gibt es zwischen dem 08. und 19. Oktober einen leichten Anstieg auf von meist über vier, vereinzelt fünf Stunden. Ab dem 20. Oktober geht dieser Wert sofort wieder auf zwei bis drei Stunden zurück.

Nach vielen Bauernregeln könnte es ein schneereicher (im Bergland), dennoch nicht zu kalter Winter werden.
Ein milder Michaelistag (29.September) - am besten mit mildem Regen – soll einen insgesamt milden Winter nach sich ziehen. Viel Gewitterdonner soll viel Schnee zur Weihnacht bringen, welcher im März noch liegt.
Ein überdurchschnittlich warmer September zieht zu 75% einen zu milden Winter nach sich, wobei vor allem der Februar deutlich zu mild ausfallen könnte. Diese drei Punkte kann man ja schon einmal mit „Ja“ abhaken. In der Realität kann man den Witterungsverlauf der letzten Wochen mit 2005, 1999 und 1987 vergleichen.
Winter 2005/2006 nicht zu mild –zu Weihnachten 50cm und im März 137cm Schneehöhe. 1987/88 deutlich zu mild, im März Maximum 181cm… Und 1999/2000 – der Februar deutlich zu mild, über die Feiertage bis zum Jahresende von 30 auf 60cm anwachsende Schneedecke, Maximum Ende Januar 70cm.
Betrachtet man allein die gefallenen Neuschneemengen haben 87/88 und 05/06 zu den drei schneereichsten und wirbelsäulenbelastenden Wintern gehört, 99/00 liegt da im oberen Mittelfeld.

Natürlich könnte man da noch einige andere Dinge betrachten – aber eine 100%ige
Vorhersage gibt es ja sowieso nicht und viele Bauernregeln beruhen auf Zwei-Drittel-Eintreff-Wahrscheinlichkeiten, müßig sich in weiteren Details zu verlieren. Es bleibt einfach die Spannung und die Ungewissheit, es wäre sonst ja ansonsten nicht mehr schön.
Und nach den heutigen Prognosekarten vom 5.Oktober ist nichts in Sicht mit dem ersten nassen Schnee im Bergland, in den oben erwähnten Wintern gab es diesen nicht vor dem 10.November zu bewundern.