3. August 2014

Witterungsrückblick Juli 2014

von Rüdiger Manig, DWD, Wetterwarte Neuhaus/Rwg.

Witterungsrückblick Juli 2014

Nach meinem Empfinden war es ein sehr schöner Sommermonat – natürlich abzüglich der Orte und Zeitpunkte der heftigen Unwetter und der davon Betroffenen. Es war meteorologisch ein äußerst interessanter Monat, sehr abwechslungsreich und bis auf wenige Ausnahmen eben immer richtig sommerlich.

BILDERSCHAU

18 Fotos (Rüdiger Manig )

 Witterungsrückblick Juli 2014  Witterungsrückblick Juli 2014  Witterungsrückblick Juli 2014

Bilder ansehen

Der Juli begann mit sehr viel Sonnenschein, gleich der dritte Monatstag wurde mit 14,5 Stunden der sonnigste Tag des Monats. Das dafür zuständige Hoch Yoshiki wurde zunächst von Tief LUCIA abgelöst, mehr als leichte Schauer waren aber nicht dabei. Dann jedoch Tief Michaela, eingebettet in einer quer über Deutschland liegenden Tiefdruckrinne brachte es gewaltige Niederschlagsmengen.
Bei uns in Neuhaus am 9. eine Tagessumme von 67 Liter pro Quadratmeter – und somit die dritthöchste Tagessumme seit 1987. An diesem Tag musste ich aus privaten Gründen nach Mecklenburg und durchquerte diese Luftmassengrenze – es war sehr bemerkenswert.
In Ernstthal (Start in maritimer Subpolarluft) 10°C und meist leichter Regen, welcher bis kurz vor Leipzig bei dortigen 14°C anhielt – und dann begann es so richtig zu schütten, keine 100 m Sicht. Aber - es wurde mit jedem Kilometer wärmer, kurz vor Berlin dann bereits 24°C und nachlassender Regen.
Am Ziel in der dort eingeflossenen Subtropikluft 29°C und bedrückende Schwüle, allerdings ließen die Gewitter nicht lange auf sich warten. Retour ein ähnliches Spiel – nur mit weniger Niederschlag und Ankunft in Ernstthal bei wieder 10°C.

Zweite einprägsame Wetterlage sicher die Hitzewelle vom 17. bis 20.Juli, der wärmste Tag des Monats dabei mit einem Maximum von 28,4°C und einer Durchschnittstemperatur von 23,1°C der Zwanzigste. Hoch AYMEN wurde in diesem Zeitraum von Hoch BERTRAM abgelöst, die dann herangeführte Luftmasse war deutlich feuchter, die Taupunkte stiegen von 11/12°C auf bis zu 17°C. Sommerabende vom Feinsten.
Der Rest des Monats war von vielen Gewittertagen geprägt, müßig alle aufzuzählen. Aber fast jeden Tag das gleiche Spiel – wenn trifft es und wenn nicht und wenn dann wann und wie… Wir selbst blieben von schlimmerem Treiben verschont.
Jedoch nach längerem Zeitraum am letzten Sonntag dem 27.Juli für mich wieder einmal ein überwältigender Anblick - wie das Paulinzella und Umgebung überschwemmende Unwetter anschließend mit beeindruckenden Strukturen auf Neuhaus zuzog. Allerdings - es wurde für uns nur ein Streifschuss, die 26 Liter pro Quadratmeter waren sicher ein ordentlicher Plusch, aber mehr auch nicht. Zum Zeitpunkt des maximalen Niederschlages hatte ich nach Nordosten eine Sicht von maximal 500m, nach Nordwesten hingegen 25 km.

Im Zeitraum seit 1987 hat der 27.Juli obendrein eine führende Rolle – er ist mit 16,3°C der durchschnittlich wärmste Tag des Jahres. Allerdings mit zwei sehr unterschiedlichen Abschnitten – von 1987 bis 1999 im Mittel 14,6°C und von 2000-2014 17,8°C!

Dennoch ist er nicht der durchschnittlich schönste Sommertag, um den Streiten sich hier oben der 1. und 4. August. Der Erste mit der höchsten Sonnenscheindauer (im Durchschnitt 8,6h) und einer summierten Niederschlagsmenge von nur 41 Liter pro Quadratmeter in 28 Jahren. Der Vierte mit einer Sonnenscheindauer von im Mittel 7,9 Stunden – aber nur 16 Liter pro Quadratmeter Niederschlag, rein trockenstatistisch der trockenste Tag des Jahres.

Letztlich bestätigte der vergangene zweite Sommermonat seine Tendenz in den letzten Jahren – die Sonnenscheindauer bleibt im normalen Schwankungsbereich, dagegen - er wird immer wärmer und feuchter. Nach dem April als Monat mit der deutlichsten Temperaturzunahme rangiert er mit einem Plus von 1,4°C Arm in Arm mit dem August auf Platz zwei. Nur – der August wurde in den letzten Jahren nicht nur wärmer, sondern auch sonniger und trockener.

Der Juli 2014 war mit einer Mitteltemperatur von 16,5°C der Achtwärmste seit 1940, Abweichung plus 3,2°C – aber er brach keinerlei Rekorde. Das Monatsminimum mit 5,2°C gleich am ersten Tag, am Morgen des 3.Juli konnten wir bei minus 1,6°C - direkt auf der Grasoberfläche gemessen - noch einmal gefrorenen Tau beobachten.
172 Liter pro Quadratmeter Niederschlag bedeuten Rang 6 in der Rangliste. Aber 82% dieser Summe verteilen sich allein auf vier Tage, an immerhin 14 Tagen gab es keinerlei messbaren Niederschlag.

208 Stunden Sonnenschein bedeuten ein leichtes Plus von 3%, an 18 Tagen waren es mindestens 5 Stunden, an 9 Tagen über 10 Stunden.

Die restlichen Klimawerte, in Klammern die langjährigen Mittel: Relative Feuchte 75 % (77), Bedeckungsgrad 68% (66), acht Gewittertage (7), 12 Tage mit Nebel (14),
19 (13)Bergsommertage (Maximum > 20°C), an 15 Tagen Böen der Windstärke 6 (15), keinerlei Böen der Windstärke 8 – hier könnte man diese an zumindest einem Tag erwarten.