16. Juli 2014

Witterungsrückblick Juni 2014

von Rüdiger Manig, DWD, Wetterwarte Neuhaus/Rwg.

Witterungsrückblick Juni 2014

Das letzte Wochenende des vergangenen Monats ließ es vergessen und vor allem die Spechtsbrunner konnten es zu ihrem 600. Jubiläum nur mit Humor nehmen - bis zum 28. Juni war es der trockenste Juni überhaupt welchen wir hier zumindest seit 1940 im Thüringer Schiefergebirge verzeichnen konnten.

BILDERSCHAU

15 Fotos (Rüdiger Manig )

 Witterungsrückblick Juni 2014 Witterungsrückblick Juni 2014 Witterungsrückblick Juni 2014

Bilder ansehen

Jedoch an den letzten drei Tagen kamen hier sechzig Prozent der gesamten Monatssumme herunter – welche zwar nur 40 Liter pro Quadratmeter betrug, aber der größte Teil eben zum unpassendsten Zeitpunkt.
Dessen ungeachtet reichte es aber immer noch zum sechsttrockensten Juni in den letzten 75 Jahren. Nach ähnlich trockenem Juni folgte in den letzten 30 Jahren oft ein recht annehmbarer Juli und mit geringerer Wahrscheinlichkeit August, unvergessene Ausnahme natürlich der Sommer 2003.

Nach recht durchschnittlichem Monatsbeginn folgten traumhafte sommerliche Pfingsten und auch hier oben gab es einige neue Rekorde.
Für den 08. Juni (28,5°C), den 09. Juni (30,2°C) und den 10.Juni (27,7°C) wurden jeweils neue Tagesrekorde aufgestellt – und noch nie wurde im Verlauf eines Sommers zu so einem frühen Zeitpunkt in unserer Region die 30°C-Marke geknackt.
Seit Bestehen der Wetterwarte war dies zuvor sowieso nur 10mal der Fall gewesen.
Zu Verdanken hatten wir diese wunderbaren freien Tage südeuropäischer Subtropikluft mit kurzem Einfluss von sogar afrikanischer und somit kontinentaler und trockenerer geprägter Tropikluft.
Und noch ein kleiner neuer Rekord: Vom 07. bis 12. Juni sank die Lufttemperatur nicht unter 15°C – über so einen langen Zeitraum war dies bisher im Juni noch nie der Fall gewesen.
Der Rest des Monats von den Temperaturen her eher moderat, nach dem 11.Juni wurde die 20°C-Marke nicht mehr überschritten, höchstes Maximum bis Monatsende am 27.Juni mit 19,8°C. trotz
Zum Ende des Monats betrug die Durchschnittstemperatur des ersten Sommermonats 13,1°C – eine positive Abweichung vom klimatologischen Mittelwert von 1,5°C.
In der Rangliste seit 1940 bedeutet dies Platz 24.
Und so richtig kühle Tage gab es kaum. War das Pedant zu den Eisheiligen im Mai die kurze hochsommerliche Phase am Ende des Monats hätte das Pedant zu den traumhaften Pfingsten im Juni die Schafskälte werden können.

Es ergab sich aber im Zeitraum vom 20. – 26. Juni nur eine relativ milde Variante dieser Singularität. Vor allem in den Morgenstunden gab es bei Temperaturen von 5 bis 7°C und ein wenig Wind hin und wieder einen Gänsehautschauer – und mehr auch nicht.
Das absolute Monatsminimum wurde am 20. mit 5,4°C gemessen, im Tagesmittel kühlster Tag war der 25. mit 8,4°C.
Über unbewachsenem Erdboden gab es keinen Bodenfrost zu registrieren, nur auf einem extra ausgelegtem Thermometer direkt auf einer Grasfläche sank die Temperatur in mehreren Nächten auf minus 1,5°C und ließ den Tau gefrieren.
Die Schafskälte tritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit im Zeitraum vom 01. bis 25. Juni ein, nur nicht so genau terminlich festgezurrt wie zum Beispiel das Weihnachtstauwetter.
Mir einzigst bekannter Fall wo sie eigentlich völlig ausgeblieben ist – das war natürlich im Juni 2003.
Trotz dieser kühleren Tage zum Monatsende die ersten reifen Blaubeeren, nicht sehr voluminös, aber reif. Zu verdanken sicher dem überdurchschnittlichem Sonnenschein im ersten Sommermonat, 205 Stunden sind ein Plus 12 Prozent, richtig trüb war es nur an fünf, sechs Tagen. Aber schon allein über die Pfingsttage vom 06. bis 10. Juni schien Klärchen 60 Stunden hier oben im Wald.

Was mir persönlich wirklich ein wenig (sehr) fehlte war die fehlende Gewitteraktivität in unserer Region. An nur zwei Tagen konnten wir diese im Umkreis unserer Wetterwarte beobachten, so wenige Tage gab es bisher nur einmal im Juni und dies war vor 20 Jahren. Im Mittel kann man zumindest sechs Tage erwarten.

Die restlichen Klimawerte, in Klammern wie immer die langjährigen Mittelwerte: Relative Luftfeuchte 72% (77), Bedeckungsgrad des Himmels 65% (69), an 10 (14) Tagen trat Nebel oder Nebeltreiben auf, an 7 Tagen (10) Böen der Windstärke 6 und an einem oder zwei Tagen kann man Böen der Windstärke 8 erwarten – im vergangenem Monat allerdings völlige Fehlanzeige.

Schwierige Prognose für den zweiten Sommermonat – nach der Luftdruckverteilung nach dem ersten Juliwochenende scheint zumindest ein weiter anhaltendes Niederschlagsdefizit fast ausgeschlossen. Vom Temperaturniveau – ein durchwachsener, aber im Abgang und Endabrechnung nicht zu kalter Juli.