9. Juni 2014

Witterungsrückblick April und Mai 2014

von Rüdiger Manig, DWD, Wetterwarte Neuhaus/Rwg.

Witterungsrückblick April und Mai 2014

Nach dem Temperatur-Rekord-März mit schon frühsommerlichen Einschüben stand der folgende April dem in überwiegenden Teilen nicht nach. Und bestätigte wieder eindrucksvoll dass er derjenige Monat in unserer Region ist welcher die größten und subjektiv angenehmsten klimatologischen Veränderungen in den letzten 20- 22 Jahren erfuhr.

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17 Fotos (Tobias Rosenbaum)

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Nach dem Temperatur-Rekord-März mit schon frühsommerlichen Einschüben stand der folgende April dem in überwiegenden Teilen nicht nach. Und bestätigte wieder eindrucksvoll dass er derjenige Monat in unserer Region ist welcher die größten und subjektiv angenehmsten klimatologischen Veränderungen in den letzten 20- 22 Jahren erfuhr.

Er ist der Monat mit der nachdrücklichsten Temperaturzunahme (plus 1,8°C), mit der markantesten Niederschlagsabnahme (minus 26%) und deutlichsten Zunahme der Sonnenscheindauer (plus 10%).
In den letzten Jahren hatte ich immer wieder einmal die sogenannte Ende-April-Erwärmung erwähnt – eine seit 1992 nachvollziehbare sprunghafte Zunahme der Tagesmitteltemperaturen zu Beginn der letzten Aprildekade. Im letzten Jahrzehnt ist diese immer ausgeprägter geworden und hat sich in den letzten 15 Jahren auf einen nun etwa 8- 10 Tage früheren Zeitpunkt verschoben.
Das Temperaturniveau nach dieser ausgeprägten Erwärmung bleibt nachfolgend im Mittel bis etwa Mitte Mai konstant, die mittlere Tagestemperatur des 15.Mai in diesem Zeitraum liegt zum Beispiel noch knapp unter der des 25.April. Ein letztes Beispiel für diese Erwärmung: Eine mittlere Tagestemperatur von unter 0°C trat 2001 noch am 22.April auf – danach aber nie mehr später als an einem 12.April.

Erwähnenswerte Ereignisse im April 2014 sicher der Saharastaub zu Monatsbeginn, das Hagelunwetter (Hageldecke bis zu 20cm nach Aussage von Anwohnern) durch ein nahezu ortsfestes Gewitter in Steinheid am 5.April, der Neuschnee ( 3cm an der Wetterwarte) zu Karfreitag welcher Urlaubsgästen aus dem Rheinland den ersten Schnee der Saison brachte und ein – nach Hörensagen – Kugelblitz in Lauscha am 26.April.

Wärmster Tag des April in subtropischer Warmluft war schon der 03. – Maximum 17,9°C bei einer mittleren Tagestemperatur von 12,8°C.
Kältester im Tagesmittel der 15. mit 0,1°C und einem Minimum von minus 1,4°C – jedoch war es am Morgen des 17. hier oben auf dem Bornhügel noch um zwei Zehntel kälter, dazu Bodenfrost von minus 5,8°C. In Steinach am Vogelsberg konnte ich an diesem Morgen in dieser Nordeuropäischen Subpolarluft nach windstiller Nacht ein Minimum der Lufttemperatur von immerhin minus 5,5°C messen.
Mit einem Monatsmittel von 8,2°C war es der fünftwärmste April seit 1940, mit nur 50 Liter pro Quadratmeter Niederschlag - nur 54% vom Klimamittel - der 19trockenste.
Eine Sonnenscheindauer von 155 Stunden bedeutet ein plus von 10%, an 16 Tagen schien sie länger als 5 Stunden. Alle weiteren Klimawerte, in Klammern die langjährigen Mittelwerte: Frosttage 5 (11), kein Eistag (<1), relative Luftfeuchte 80% (70), Bedeckungsgrad 69% (68), Tage mit Gewitter 7 (2), Tage mit Nebel 16 (15),Tage mit in Böen Windstärke sechs 18 (11), mit Windstärke acht einer (zwei).

Der Mai beteiligte sich nun nicht weiter an irgendeiner klimatologischen Rekordjagd - und vor allem gab es endlich wieder einmal ausreichend Niederschlag für Natur und Landwirtschaft.
Die erste Maihälfte deutlich zu kühl, Abweichung etwa 2°C, an sieben Tagen wurde nicht einmal die 10-Grad-Marke erreicht. Das Thema Anfang Mai sind natürlich immer die Eisheiligen – und sie blieben nicht aus.
Zum klassischen Zeitpunkt vom 12. bis 15. Mai gab es den passenden Kälteeinbruch – maritime Polarluft brachte hier ein Minimum von 1,4°C, aber selbst zu Bodenfrost reichte es in dieser Luftmasse nicht.
Meiner Meinung die diesjährigen „wahren“ Eisheiligen genau 10 Tage früher- Minimum am 4.Mai minus 0,9°C ( in Steinach minus 3,6°C) – jedoch Bodenfrost bis minus 4,5°C, an einem Thermometer direkt auf der Grasoberfläche sank die Temperatur bis auf minus 9,4°C.
Der Unterschied – diese Luftmasse ist mehr kontinental geprägt (Nordeuropäische Subpolarluft) und weißt somit keinen so hohen Feuchtigkeitsgehalt wie die maritime Polarluft auf und kann somit in klaren Nächten deutlicher auskühlen – und ist daher klar problematischer für viele Pflanzen.

Das Pedant zu den Eisheiligen die kurze hochsommerliche Phase mit Südeuropäischer Subtropikluft zu Beginn der letzten Maidekade. Maximum am 22.Mai mit 25,4°C, das Tagesmittel betrug an diesem Tag 19,2(!)°C.
Dennoch auch dieses bei weitem kein Rekord, denn der früheste Zeitpunkt des Überschreitens der 25°C-Marke stammt aus dem Jahre 2012 am 28.April.
Die Kaltfront des Tiefs ZEYNEP beendete rasch in der Nacht vom 22. zum 23.Mai diese schöne hochsommerliche Episode, bei uns im Schiefergebirge war dieser Frontdurchgang aber eine sehr laue Angelegenheit. Markantestes Ereignis eine Böe der Windstärke 8, leichter Schauer, zweieinhalb Stunden Wetterleuchten…

Der Mai 2014 mit einer Durchschnittstemperatur von 9,1°C um 0,6°C zu warm und im normalen Schwankungsbereich. Die Sonnenscheindauer im Vergleich zum klimatologischen Mittel bei nur 87% - aber immerhin 161 Stunden und dabei an 15 Tagen länger als Stunden.
Man mag dabei an unseren unrühmlichen deutschen Rekord an ununterbrochener Nebelandauer erinnern – vom 07. bis 17.Mai 1996 betrug die Sichtweite immer weniger als 1000 Meter!
Nach einigen Monaten mit teilweise deutlichem Niederschlagsdefizit fielen im vergangenen Mai 111 Liter pro Quadratmeter, ein leichtes Plus von 16%.

Die restlichen Klimawerte: 3 Frosttage (2), relative Luftfeuchte 81% (75), Bedeckunsgrad 71% (64), Tage mit Gewitter 4 (5), Tage mit Nebel 15 (14), Tage mit Böen der Windstärke sechs 15 (11), mit Windstärke acht 3 (einer), 4 (4) Bergsommertage (Maximum >20°C). Seit 1987 tritt rein statistisch der letzte Frosttag um den 29.April ein, in diesem Jahr war es der 5.Mai, der mittlere Termin für den letzen Bodenfrost steht beim 21.Mai.

(In der Bilderschau ein paar Impressionen von einer Wanderung von Sitzendorf nach Lichte am 6. April 2014)